Operetten-Romantik: Zarewitsch ( Jevgenij Taruntsov) und Sonja (Maya Boog). - © Christian Husar
Operetten-Romantik: Zarewitsch ( Jevgenij Taruntsov) und Sonja (Maya Boog). - © Christian Husar

Eine unterhaltsame Liebesgeschichte erwartet das Publikum bis September in der Sommerarena der Bühne Baden. Franz Lehárs Operette "Der Zarewitsch" stellt dabei ein eher ungewöhnliches Werk dar, zwar mit zahlreichen Ohrwürmern, doch mit einem für das Genre untypisch tragischen Ausgang. Die Geschichte des Zarewitschs und einer Tänzerin, die sich von regelrechter Abneigung bis hin zur bedingungslosen Liebe entwickelt, kann den politischen Pflichten letztendlich doch nicht standhalten.

Optische Schlichtheit

Neu-Intendant der Bühne Baden und Regisseur Michael Lakner beschreibt selbst, dass er Lehárs Operette mit szenischer Reduktion und tiefer Religiosität inszeniere. Die optische Schlichtheit kam gleich im ersten Bild zum Tragen: Barren, Bock und Turn-Ringe bildeten das Mobiliar des Raumes, in dem sich der gesamte erste Akt abspielte. Die Turngeräte zeigten die athletischen Vorlieben des zukünftigen Zaren deutlich, der sich doch so viel lieber für Sport als für die Frauen interessiert. Bis das russische Ballettmädchen Sonja in sein Leben tritt und den eher griesgrämigen Junggesellen zum schüchtern verliebten Jüngling avancieren lässt. Jevgenij Taruntsov als Zarewitsch zeigte diese Entwicklung gekonnt mit überzeugend feinem Schauspiel und viel Körpereinsatz. Leider schien er gesanglich etwas angeschlagen und geriet besonders in der Höhe zu eng und leise. Sonja, dargestellt von Maya Bogg, durchgängig mit guter Ausstrahlung und vollem, einzig in der tieferen Lage etwas an Volumen einbüßendem Sopran, spielte mit viel Energie und doch natürlich. Thomas Malik als Leiblakai Iwan und Melanie Schneider als dessen Frau Mascha stellten das quirlige Buffo-Paar unterhaltsam dar, auch wenn dies zu Beginn eher übertrieben und künstlich geriet.

Tolle Besetzung in den Sprechrollen: darunter Benjamin Plautz als strenger und gut artikulierender Ministerpräsident, Gerhard Balluch als umsichtiger und einfühlsamer Großfürst, sowie das italienische Liebespaar - Gabriele Kridl und Artur Ortens - mit einer sehr amüsanten Performance voll typisch italienischem Charme und zugleich boshaften Mafia-Allüren.

Gelungene Tanzszene

Besonders das musikalische und szenische Timing zwischen den Charakteren griff nur selten ineinander. So blieb die gelungenste Gesamtszene eine aus dem Stück heraustretende Tanzszene wie aus "1001 Nacht" (Choreografie: Michael Kropf), bei der schlichtweg alles stimmte und die vom Publikum mit langem Applaus bedacht wurde. Tänzer, Chor und Orchester agierten durchweg stimmig, jedoch erklang das Orchester meist zu laut und mehrere akustisch verstärkte Instrumente erzeugten ein äußerst inhomogenes Klangbild, weshalb die Sänger in den leiseren Passagen unverständlich blieben. Dirigent Oliver Ostermann leitete souverän und akkurat, konnte an den Abstimmungsproblemen allerdings nur wenig ändern.

Über den fast dreistündigen Abend hinweg ermöglichte das reduzierte Bühnenbild mit wenigen Requisiten nur minimalen Handlungsspielraum, weshalb die Geschichte zunehmend an Spannung verlor. Erst im letzten Akt kam es zu einem gelungenen Wechsel des Bühnenbilds: Meer, Strandkörbe, Federball-Spiel, Springseil und viele weitere Feinheiten schafften hier eine erleichternd frische Note, die für den gesamten Abend wünschenswert gewesen wäre.