• vom 01.08.2017, 16:40 Uhr

Bühne

Update: 01.08.2017, 16:56 Uhr

Opernkritik

Schöne, neue, alte Welt?




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Von Joachim Lange

  • Bayreuther Festspiele: Die erste Hälfte des Castorf-Rings ist geschafft.

Szene aus Rheingold.

Szene aus Rheingold. Szene aus Rheingold.

Steht der "Ring" auf dem Programm, dann ist er das Herzstück der Festspiele. Auch und gerade, wenn die musikalische Fortsetzungsstory in so disparaten Zugängen (heuer zum letzten Mal) erzählt wird, wie bei Frank Castorf und Alexander Denic. Für eingefleischte Wagnerianer ist die Verweigerung billig zu haben. Die Neugierigen und Aufgeschlossenen unter ihnen haben jedoch ihre Freude am assoziationsgeladenen Vollbluttheater, das ihnen der Ex-Volksbühnenchef zumutet.

Den Zusammenhang hört man im Festspielhaus dank Marek Janowski. Auch wenn er diesmal aus dem "Rheingold" tatsächlich "nur" einen Vorabend macht. Dafür staunte man umso mehr über eine "Walküre" aus einem Guss! Was freilich auch am vokalen Sonnenschein lag. Allein die Brünnhilde von Catherine Foster! Nachdem sie sich mit ihren Hojotoho-Rufen beherzt Zugang zu dieser Partie verschafft hatte, bewegte sie sich darin mit einer Sicherheit, Klarheit, Piano(!)-Kultur und Wortverständlichkeit, wie man sich das kaum besser vorstellen kann. Die beste der denkbaren aktuellen Brünnhilden in Bayreuth. So gehen Festspiele!

Information

Oper
Das Rheingold, Die Walküre
Festspielhaus Bayreuth

Realitätsnah

Im "Rheingold" fallen Günther Groissböck als Fasolt und Nadine Weissmann als Erda besonders auf. Das gilt auch für Albert Dohmens Alberich.

Frank Castorf hat für seinen Abschied vom Grünen Hügel das Werkstattprinzip, also die Möglichkeit (und Verpflichtung!) weiter- und nachzuarbeiten, ernst genommen. Bei der Videoarbeit im "Rheingold" mit deutlich weniger Erfolg als dann in der "Walküre" - wo diesmal jede Assoziation noch passgenauer wirkt. Und wo die Personenregie nun (endlich) tatsächlich fertig durchgearbeitet ist und keine Verlegenheitsleerstellen überbrückt werden müssen.

Dass diese Ring-Reise in einem ziemlich runtergewirtschafteten "Golden Motel" an der Route 66 beginnt, in dem man kaum freiwillig übernachten möchte, ist das eine. Dass es ein detailreich ausgearbeiteter Südstaaten-Gesellschafts-Krimi ist, das andere.

Der Rheingold-Utopie Castorfs hat sich die Wirklichkeit angenähert. Das ist geradezu beängstigend hellsichtig. Die Stüdstaatenflagge flattert vor dem Motel, als wär’s im Vorgarten eines Trump-Wählers. Dann der Schlusssprung in eine "Walküre" am anderen Ende der Welt im kaspischen Baku. Da fallen Erdöl-Boom und Revolution der Sowjets zusammen und begraben die alte Zeit unter sich. Jubelorkan. Fortsetzung folgt.





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Dokument erstellt am 2017-08-01 16:45:06
Letzte Änderung am 2017-08-01 16:56:30


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