Zwei Performances von Christine Gaigg/2nd nature sind heuer bei Impulstanz programmiert. Die Uraufführung von "fickt euch doch ins knie" findet am Sonntag im Mumok statt. Vorher schon, am Donnerstag, wurde "Clash", das im Dezember 2016 Premiere im Tanzquartier Wien hatte, im Odeon gezeigt. Zusammengenommen fügen sich die beiden Produktionen zu einer Auseinandersetzung mit sexueller Identität.

Abfolge von Reenactments

Für "Clash" hat Philipp Harnoncourt dunkelrote Paravents zu einem intimen Raum arrangiert. In schummrigem Licht bittet Gaigg das Publikum von Szene zu Szene, einmal in den Kubus, dann davor. Die Ausstattung minimal, die Spannung konzentriert. Max Fossati, Robert Jackson und Juliane Werner bewegen sich durch eine Abfolge von Reenactments: Der Abend beginnt mit einer körperlich detailliert gearbeiteten Synchronisierung einer TV-Debatte vom 12. Juni 2016. Am Tag des Attentats von Orlando verließ der Journalist und Aktivist Owen Jones das Aufnahmestudio in einem Akt der Beharrung darauf, dass der Anschlag ein Anschlag auf die LGBT-Community gewesen sei und nicht einfach nur ein Anschlag auf feiernde Menschen. Der Performer Jackson spricht sich dabei vom Material los und befeuert das Publikum mit der Notwendigkeit, ein Hass-Verbrechen unabhängig von religiösen Motiven als ein Hass-Verbrechen zu benennen.

Es folgen Ausflüge in die 80er und 90er, in die Kunst und in die Hate Speech. Die Wucht des Hasses, mit der ein kalifornischer Pastor gegen Homosexualität wettert, wird in der Reinszenierung durch Werner zu einem menschenfeindlichen Mahnmal. Etabliert wird das Bild einer Atmosphäre von Homophobie, in der die Verleugnung der eigenen Sexualität zu Gewaltverbrechen führt. Zum Finale zwischen den Paravents verliest Werner die Namen der Opfer des Orlando-Attentats. Gaigg, Jackson und Fossati umarmen derweil das Publikum. Make love, not Hate Crime.