• vom 07.08.2017, 16:14 Uhr

Bühne

Update: 07.08.2017, 16:27 Uhr

Opernkritik

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Von Rainer Elstner

  • Die Donaufestwochen überraschen mit Marianis Oper "La Lisarda".

Die Geschicke eines Mannes zwischen zwei Frauen.

Die Geschicke eines Mannes zwischen zwei Frauen.© Reinhard Winkler Die Geschicke eines Mannes zwischen zwei Frauen.© Reinhard Winkler

Im Osten Oberösterreichs beginnt die Donau sich ihren Weg durch den Granit des Böhmischen Massivs zu graben. Dort lag einst eine für die Schifffahrt gefährliche Passage. Die Strudel gaben dem Strudengau seinen Namen. Die Wasserwirbel wurden beseitigt, künstlerische Wellen werden weiterhin geschlagen: Seit 1995 produzieren die Donaufestwochen jährlich eine Opernrarität, begleitet von einem Konzertprogramm. Gespielt wird die Produktion im Hof von Schloss Greinburg.

Heuer hat das Team um Intendantin Michi Gaigg den brasilianischen Dirigenten Rogério Gonçalves und sein Schweizer Ensemble A Corte Musical mit der Umsetzung der Opernproduktion betraut. Gonçalves hat eine Rarität ausgegraben, bei der selbst Experten überrascht die Augenbrauen heben: "La Lisarda" von Giovanni Battista Mariani. Vom Komponisten ist wenig überliefert, uraufgeführt wurde sein "scherzo drammatico" 1659 in Rom. Ein charmantes Stück für drei Stimmen, dessen Handlung schnell erzählt ist: Medoro ist mit der Liebe der älteren Lisarda konfrontiert. Der flatterhafte Jüngling liebt insgeheim deren Tochter Celia. Es entsteht ein Gezerre um den jungen Mann, bis schließlich die mütterliche Liebe über die Wollust siegt und das junge Paar - ganz wie im "Rosenkavalier" - den Segen der Älteren erhält.

Information

La Lisarda

Donaufestwochen Grein

Feine Gemütsregungen

Das Libretto beschränkt sich meist auf die Darstellung feiner Gemütsregungen. Dass trotz Handlungsarmut keine Fadesse aufkommt, liegt am Komponisten Mariani. Er vermochte es, die schnell wechselnden Gefühlslagen in eine Haken schlagende Musiksprache zu übersetzen.

Interpretiert wird die delikate Dreiecksbeziehung in Grein von einem spielfreudigen Ensemble. Camilla de Falleiro ist eine an Gesten und Mimik reiche Lisarda. Ihr hat der Komponist die Arien mit der größten Gefühlstiefe geschrieben. Die italo-brasilianische Sopranistin findet dort zu Momenten gesanglicher Verinnerlichung. Das Duett mit Tochter Celia am Ende des zweiten Akts ist der emotionale Höhepunkt der Oper. Alice Borciani singt als Celia in den Duetten unglaublich feinfühlig. Nur in exponierten Lagen wird ihre lyrisch schmeichelnde Stimme leider von einem Tremolo getrübt. Gabriel Díaz gibt den passiv wirkenden Umworbenen mit sicherem Countertenor.

Dirigent Gonçalves fügt werkfremde Zwischenspiele ein, die der Aufführung einen groovenden Rahmen geben. Wendig und reaktionsstark impft das Originalklang-Ensemble A Corte Musical der Aufführung Spannung ein. Das kann man von Manuela Kloibmüllers Regie nicht durchgehend behaupten. Das Spiel um einen gedeckten Tisch wirkt beliebig, die Personenführung folgt einer die Emotionen allzu simpel spiegelnden Art und Weise. Für poetische Momente sorgt nur die Musik. Dennoch: Große Empfehlung für eine mitreißend wiederbelebte Opernrarität.





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Dokument erstellt am 2017-08-07 16:18:05
Letzte nderung am 2017-08-07 16:27:09



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