Eine Geschichte wird erzählt. Und sie wird nicht erzählt. Sind Goldberg und McCann, Gangster, Geheimdienstagenten, Irrenwärter oder gar Höllenboten? Aus Megs und Peteys schäbiger Bed-and-Breakfest-Pension nächst einem englischen Strandbad holen sie den einzigen Gast ab. Was wartet auf Stanley, um die dreißig und verschlampt? Er behauptet, Pianist zu sein kurz vor einer Welttournee. Nötigen ihn die Fremden zur abendlichen Geburtstagsfeier, um ihm seinen Willen zu nehmen? Am Morgen sitzt er rasiert, pomadisiert und nur noch unverständlich krächzend am Frühstückstisch. Sein Business-Anzug ist jetzt ans Outfit der Büttel angepasst. Adieu Freiheit, Kunst, Leben?

Harold Pinters erste abendfüllende schwarze Komödie "Die Geburtstagsfeier", 1957 an einer Collegebühne uraufgeführt, ist nach dem Ende der Salzburger Festspiele aus dem Landestheater ins Akademietheater übersiedelt. Der simplere Bühnenrahmen kann der brillanten Klarheit der Bildkompositionen Martin Zehetgrubers nur nützen. Dessen Dekoration bewegt ein unerklärliches Innenleben. Sand samt Strandhafer erobert das Wohnzimmer, ein Holzboot landet in der guten Stube. Nach unzähligen Blackouts erscheinen die Figuren allemal neu arrangiert und beleuchtet. Man mag solche Überfülle geschmäcklerisch schelten, denkt man an den Furor zurück, mit dem nach dem Zweiten Weltkrieg Junge, Kafka im Rücken, ihr absurdes Antitheater begannen. Zu viel forcierter Schönheit droht Fadesse.

Die grausame Genauigkeit


Das Ohr wird in Andrea Breths Inszenierung verwöhnt wie selten. Pinters "unheimlich grausame Genauigkeit bei der Wiedergabe des Tonfalls der sich endlos wiederholenden Banalität alltäglicher Gespräche" begeisterte Martin Esslin, den Chronisten des Theaters des Absurden. Schon die einsilbigen Wechselreden über Frühstücksflocken zwischen dem treuäugigen Glatzkopf Petey (Pierre Siegenthaler) und der als Meg liebenswert verhuschten Nina Petri zwingt zu höchster Konzentration. Befreiung durch Lachen versagt sich so selbstquälend wie die Befreiung im Interruptus.

Max Simonischek stößt als Stanley halbverschlafen dazu. Rasch aggressiv, unklar, ob er seine Vergangenheit fantasiert. Ein einziges Konzert habe er gegeben. Beim zweiten Termin stand er vor einem verschlossenen Saal. Der Hauswirtin nähert er sich wie ein Liebhaber - und wie einer Mutter. Wenn Roland Koch (Goldberg) und Oliver Stokowksi (McCann) in lichtgrauen Anzügen auftauchen und patzig Koffer abstellen, stülpt sich eine zwielichtige Überwelt über die Strandhausidylle. Goldberg schillert in allen Farben. Koch führt ihn als Brutalo vor, der ein sexy Partygirl aus der Nachbarschaft (Andrea Wenzl) flachlegt - aber Anständigkeitsgebote der jüdischen Lower middle class herunterbetet. Ebenso verbogen sein Helfer: unterwürfig, dann zupackend wie ein Triebtäter. Mit Einsprengseln im hessischen Dialekt markiert Stokowski die Herkunft aus Irland. Nach einer grotesken Tanznummer Szenenapplaus für die beiden. Und ungeteilter Jubel für Breth und das Ensemble am Schluss.

Theater

Die Geburtstagsfeier

Von Harold Pinter

Andrea Breth (Regie)

Akademietheater