Vor zwei Jahren waren Lev Dodins groß dimensionierte, statische Baustellenbilder zu Mussorgskis "Chowanschtschina" (Premiere 2014) zuletzt auf der Staatsopernbühne zu erleben. Auch die aktuelle Aufführungsreihe ist ein Ereignis: Sie versucht eine Rückführung in die erste Fassung von Rimski-Korsakow, der die Oper seines Landsmannes vollendet hatte. Weg also von Strawinskis Kürzungen und Schostakowitschs Eingriffen. Das verlangte vom Publikum Sitzfleisch. Wobei das Mitfiebern lohnend ist angesichts all der perfekt dargestellten Grausamkeit und Intensität, mit der sich die Machthaber zur Zeit des jungen Zaren Peter durchsetzten. Strelitzen gegen Bojaren, Altgläubige gegen Offizialkirche, Zarewna gegen alle - für Piotr.

Ferruccio Furlanetto als gewichtiger Fürst Chowanski, Christopher Ventris als Sohn Andrei, Herbert Lipperts präzise strahlender Golizyn passten sich gut Mussorgskis prachtvoller Nationaloper an. Elena Maximovas mystische Marfa wusste in perfekter Stimmführung die Szene zu bestimmen, mit Ain Angers starkem, dennoch Mitleid erregendem Dossifei ging der bevorstehende Untergang dem Publikum nahe. Gut besetzt auch die Nebenrollen, etwa mit Caroline Wenborne (Emma), Marcus Pelz (Warssonofiew) - und dem überzeugenden Debütanten Thomas Ebenstein ( Schreiber). Dirigent Michael Güttler holte alles aus dem Staatsopernorchester heraus, den Rest erledigte der Hauschor. Strotzend vor Kraft und guter Technik gingen die Damen und Herren des Staatsopernchors ihrem sicheren Opernende entgegen. Bravi.