• vom 22.09.2017, 16:33 Uhr

Bühne


Theaterkritik

Späßchen mit Häschen




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Von Christina Böck

  • Georges Feydeau als Screwball-Komödie: "Wie man Hasen jagt" in der Josefstadt.

Schäferstündchen interruptus: Moricet (Martin Niedermair) und Leontine (Pauline Knof) haben kein Glück beim Seitenspringen. - © E. Reismann

Schäferstündchen interruptus: Moricet (Martin Niedermair) und Leontine (Pauline Knof) haben kein Glück beim Seitenspringen. © E. Reismann

"Boschua", sagt er, der gehörnte Ehemann. Auch sonst ist sein "Französisch" nicht gerade lupenrein. Den Überblick hat er schon gar nicht, der tapsige Monsieur Cassagne (Holger Schober), aber wer hat den schon in einem Georges-Feydeau-Stück. Ein solches hatte am Donnerstag im Theater in der Josefstadt Premiere: "Wie man Hasen jagt", in einer Übersetzung von Elfriede Jelinek.

Die Hasenjagd ist hier ein Vorwand, den Monsieur Duchotel (Roman Schmelzer) gegenüber seiner Frau Leontine (Pauline Knof) verwendet, wenn er seine Geliebte, eben die Gattin des Monsieur Cassagne, aufsucht. Dass seine Beute verdächtig ist, merkt Leontine, noch bevor er hübsch verpackte Wildpasteten statt toter Tiere aus dem Korb holt. Allerdings nur mithilfe von Moricet (Martin Niedermair), der nicht ganz uneigennützig die Umtriebe des Duchotel aufblattelt: Denn als Belohnung will sich Leontine mit ihm an ihrem Mann rächen - in seinem Bett.


Des weiteren wird im Lauf der turbulenten Handlung eine absurd scheußliche Hose eine Rolle spielen. Überhaupt wird man sich ganz oft der Kleidung entledigen, nur um dann wieder mit irgendeiner Störung der erotischen Zweisamkeit konfrontiert zu werden. Dieses Stück lebt von der diebischen Freude daran, dass hier letztlich keiner zum Schuss kommen wird. Elfriede Jelineks Übersetzung zieht eine reizvolle Ebene in Feydeaus Text: Die grotesken, unwahrscheinlichen Wendungen werden noch einmal ironisiert, indem darauf hingewiesen wird, dass man sich das ja wirklich vorher hätte denken können, dass dieser Unfug passieren wird. Pauline Knof als Leontine beherrscht diesen seriösen Sarkasmus besonders gut. Wie überhaupt ihre Leontine eine Freude ist: Lässig schreitet sie von der Sorge um ihre Ehre, weil sie ihren gigantischen Schleierhut am Weg vom missglückten Tête-à-Tête vergessen hat, über überdrehte, auf dem Bett hopsende Ekstase zur kühl-ironischen Verachtung ihres Mannes, der doch nichts anderes gemacht hat, als sie ohnehin auch vorgehabt hat.

Nick Knatterton trifft
Louis de Funès

Dazu passt das pointierte Spiel von Martin Niedermair als Moricet, der in seinem verzweifelten Triebstau unter anderem Lampen unsittlich berührt und den wahrscheinlich geduldigsten Erwarter eines One-Night-Stands gibt. Regisseur Folke Braband hat sich für das Setting einer 1940er-Jahre-Screwball-Filmkomödie entschieden. Eine vielleicht nicht sehr originelle, aber darum nicht weniger schlüssige Wahl. An Filme erinnern auch die Musik-Einspielungen in besonders aufwühlenden Momenten - gut dosiert führen sie manchmal zu zackigem Slapstick in Nick-Knatterton-Comic-Manier. Braband begnügt sich nicht nur mit Musikzitaten (sogar von Herbert Grönemeyer), besonders lustvoll wird als Running Gag an das berühmte "Nein! Doch! Oh!" von Louis de Funès erinnert. Das Bühnenbild (Stephan Dietrich) wechselt zwischen dem diskreten Betoncharme des Hauses der Duchotels zum herrlich puffigen Seitensprungzimmer mit roter Polsterung und Windhund-Chaiselongue mitsamt barocker Hausmeisterin mit Likörchen (Elfriede Schüsseleder).

Der Abend punktet mit heiter-unaufdringlicher Albernheit, die niemandem wehtut. Eine zutiefst josefstädtische Josefstadt-Inszenierung - auf eine gute Art.

Theater

Wie man Hasen jagt

Theater in der Josefstadt




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Dokument erstellt am 2017-09-22 16:39:06



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