• vom 30.09.2017, 08:30 Uhr

Bühne

Update: 30.09.2017, 10:00 Uhr

Interview

Heikle Konversationen am Roulettetisch




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Wie lösen Sie das?

Wir schließen solche Lücken, indem wir Inhalte aus dem Roman ergänzen und sie szenisch veranschaulichen.

Wie gut verstehen Sie sich mit Regisseurin Karoline Gruber? Sie haben hier schon vor zwölf Jahren gemeinsam Puccinis "Le Villi" erarbeitet.

Ausgezeichnet. Es ist jetzt unser fünftes Projekt. Ich mag es, wie fein sie die Personenführung gestaltet, wie psychologisch sie arbeitet. Sie bringt Details der Charaktere zum Vorschein, und das wiederum ist für mich spannend als Dirigentin.

Dostojewskis Roman spielt im 19.Jahrhundert. In welcher Zeit siedeln Sie die Handlung an?

Rund um 1930, in der Uraufführungszeit der Oper. Wir zeigen aber keine Welt, in der sich alles um Geldgier dreht. Es geht eher um Eskapismus. Wenn Menschen spielsüchtig werden, liegt das weniger an einer Vorliebe für Casinos als daran, dass sie vor etwas davonlaufen. Dementsprechend zeigen wird den Ort "Roulettenburg", wie er in der Oper heißt, als Scheinwelt; nur Polina und Aleksei werden realistisch gezeichnet.

Sie dirigieren gern Unbekanntes und Uraufführungen, heuer etwa den neuen "Mondparsifal" von Bernhard Lang in Wien. Reizt es Sie, wenn auf einem Werk keine festgefahrenen Erwartungen lasten, oder sind Sie einfach neugierig?

Es ist die Neugier. Mein Opernrepertoire ist enorm; ich habe bei Nummer 110 aufgehört zu zählen. Zu diesem Katalog gehören natürlich auch die Klassiker, und ich dirigiere sie wahnsinnig gern. Aber ich bin jetzt seit mehr als 30 Jahren in dem Beruf, und die Konzentration auf die Greatest Hits würde mir keinen Spaß machen. In der vorigen Saison hatte ich vier oder fünf Uraufführungen.

Dafür haben Sie wohl auch genug Zeit, weil Sie nicht mehr fix an einem Haus arbeiten. Bis 2015 waren Sie Intendantin der Hamburger Staatsoper. Wollen Sie weiterhin freischaffend bleiben?

Für die nächste Zeit ja. Aber wer weiß, was noch kommt. Im Moment bin ich in einer optimalen Lage, ich bekomme an den Opernhäusern in Wien, München, Berlin und Zürich Luxusaufgaben, dazwischen habe ich Zeit für Konzertrepertoire - und ich wohne in England nicht weit von meinen beiden Töchtern. Was gibt es daran nicht zu mögen?

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-29 16:06:10
Letzte nderung am 2017-09-30 10:00:33



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