Florentina Holzinger hat schon manche Schmerzgrenze überschritten. Die in Wien geborene Performerin und Theatermacherin ist seit der Präsentation ihres Solos "Silk" im Jahr 2012 Stammgast bei Impulstanz. Erstmals beim steirischen herbst, fand dort am Wochenende die österreichische Erstaufführung von "Apollon Musagète" statt. Das gleichnamige neoklassische Ballett von Igor Strawinsky mit der Choreografie von Georges Balanchine wird zwar zitiert, vor allem aber kontrastiert.

Sechs Frauen - Renée Copraij, Evelyn Frantti, Annina Lara Maria Machaz, Xana Novais, Maria Netti Nüganen und Holzinger selbst -, ein eingespieltes Ensemble, stellen ihre Körper aus. Trainieren, heben Gewichte, schwitzen auf Spitzenschuhen, defäkieren in hübsche Glasbehälter: eine Freakshow.

Das exquisite Sounddesign von Stephan Schneider verschränkt live gesprochene Elemente mit märchenhaften Melodiebögen und Störgeräuschen. Nebel, Licht und ein Rodeo-Stier, dann Zirkusnummern, Theaterblut und echtes Blut. Sonst typisch für Holzingers Arbeiten kommt "Apollon Musagète" diesmal ohne semi-fiktionalen Erzählstrang aus. Die Szenen stehen ohne Übergänge nebeneinander. Wuchtige Bilder von Zeichenhaftigkeit überladen, bezeugen ein Naheverhältnis von Grausamkeit und Schönheit. Die Unterwerfung des Körpers unter ein Schönheits-, Trainings- oder Balanchine-Ballett-Regime zeigen diesen in einer aufdringlichen Verletzbarkeit und bewundernswerten Künstlichkeit.

Performance

Apollon Musagète

Von Florentina Holzinger

Dom im Berg/steirischer herbst