Drei Menschen sitzen auf einem Gerüst, sie kehren dem Publikum den Rücken zu, sie zischen und brummen, sie beginnen, ein entropisches Wörterwirrwarr anzustimmen. Erst nach und nach lassen sich ein paar Sätze entwirren in dem Sprachstrudel. Schließlich aber reinigt sich das Chaos und die Schauspieler sprechen nicht mehr durcheinander. Jeder erzählt eine Geschichte, aber nie nur seine Geschichte: Drei Schicksale verbünden sich sprachlich.

Da gibt es den Mitarbeiter des Bildungsministeriums, der auf dem Weg in den Familienurlaub zu einem Notfall gerufen wird: Ein Lehrer hat sich, offenbar aus Protest, angezündet. Der Mann soll nun das Krisenmanagement leiten - und unter anderem ein Foto des Ministers mit dem gaze-verbundenen Mann organisieren, ob der oder seine Familie das will oder nicht. Dass der Ministersprecher nicht mit seiner eigenen Familie in den Urlaub fahren kann, stört ihn weniger, hat er sich von dieser doch schon länger entfremdet - und sich einer homosexuellen Affäre mit einem politischen Rebellen gewidmet.

Vernetzte Parabel


Dann gibt es den Drohnenpiloten, der aus gemütlicher Entfernung in einem Container in Nevada Krieg gegen mutmaßliche Terroristen in Pakistan führt. Nicht immer ist er sich sicher, dass sein zum Abschuss freigegebenes Ziel auch wirklich schuldig ist. Und dann gibt es die Meeresforscherin, die im Auftrag eines Großkonzerns in der Tiefsee bisher unbekannte Organismen aufspüren und ernten soll - nicht nur diese Umkehrung ihrer früheren Berufung bringt sie in Konflikt mit ihrem Partner, einem sozialkritischen Fotografen.

Es ist nicht immer leicht, dieses Erzählnetz zu entflechten, aber das macht auch den Reiz dieses kurzweiligen Stücks von Alexandra Badea aus. So werden diese Geschichten von Karrieren, bei denen eigene Überzeugungen und Moralvorstellungen auf der Strecke bleiben, zu einer allgemeingültigen Parabel.

Paul Spittlers Inszenierung arbeitet unverkrampft mit dem schmucklosen Gerüst-Bühnenbild von Constanze Stahr. Die Verstrebungen sind die Kulisse, in der die Schauspieler Peter Fasching, Sebastian Klein und Birgit Stöger immer wieder auch körperlich in einer Art aberwitzigen Ausdruckstanz aus dem konventionellen Erzählstrang heraustaumeln. Wie das Stück selbst hält auch die Regie die Balance zwischen eingängigem Narrativ und Extremen in Inhalt und Form. Ein mit einer Stunde so knapper wie ausdrucksstarker Theaterabend.

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