• vom 06.10.2017, 17:07 Uhr

Bühne

Update: 09.10.2017, 15:49 Uhr

Theaterkritik

Im Wien der Widerlinge




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Von Martin Pesl

  • Das Bernhard Ensemble verzwirbelt in "Taxi.Speiber" Scorsese und Qualtinger.

Im Taxi mit Ernst Kurt Weigel. - © B. Pallfy

Im Taxi mit Ernst Kurt Weigel. © B. Pallfy

Taxifahren in Wien ist selten lustig, weder für die Fahrgäste noch für den Fahrer. Ob es wirklich so widerlich ist wie für den Ex-Soldaten Travis Bickle im New York der 1970er, sei dahingestellt.

Ernst Kurt Weigel und das Bernhard Ensemble gehen in ihrer Wiener Version des Films "Taxi Driver" von Martin Scorsese jedenfalls davon aus. Im lädierten Taxi von "Trevis" - Weigel selbst übernimmt Hauptrolle und Look von Robert De Niro - müssen sich jedenfalls alle Fahrgäste übergeben: "Taxi.Speiber" heißt der teils wüst improvisiert, teils sehr präzise gearbeitet wirkende Abend im Off-Theater, für den die Handlung des Films in ein nächtliches Wien der Widerlinge verlegt wurde.


Einige Sätze aus dem Monolog "Der Herr Karl" von Helmut Qualtinger und Carl Merz (1961) sind ebenfalls eingewoben. So wird nebst angedeuteter Absonderung diverser Körperflüssigkeiten auch vage Gesellschaftskritik angerissen. Hauptsächlich feiert die Gruppe anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens aber ihren unkonventionellen Spielstil zwischen Authentizität und Trash. Allen voran glänzt Weigel selbst als knallharter Trevis, der am Ende den berühmten Satz aus dem Kultfilm in Zeitlupe hören lässt: "You talkin’ to me?" Aber auch zwei Neuzugänge berühren: Isabella Jeschke als junge Prostituierte und die Tänzerin Leonie Wahl. Die potenziell peinliche Idee, jedes Mal einen anderen Promi für einen Kurzauftritt ins Taxi zu bitten, ging zumindest bei der Premiere mit Claudia Kottal auf. Ein Abend, schräg wie das Bernhard-Ensemble seit 20 Jahren.

theater

Taxi.Speiber

OFF Theater, Wh.: bis 11. Nov.




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Theaterkritik

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-10-06 17:12:10
Letzte Änderung am 2017-10-09 15:49:08


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