Graue Felsen, tiefes Wasser und wenig Tageslicht - so gestaltete sich Debussys "Pelléas et Mélisande" an der Wiener Staatsoper. Wobei das düstere und kühle Bühnenbild Marco Arturo Marellis die tragische Liebesgeschichte faszinierend in Szene setzte. Auch wenn sich die Regie zeitweise zu sehr an Rollenstereotypen abarbeitete, konnte besonders musikalisch eine grandiose Vorstellung genossen werden.

Dies lag allen voran an Dirigent Daniel Harding, der die impressionistischen Klangmassen zu entfalten vermochte und gleichzeitig äußerst präzise leitete. Sein virtuoses Dirigat und die gut erarbeitete Interpretation brachten das Orchester speziell in den Zwischenspielen zu musikalischen Höchstleistungen.

Dem stand auch das Bühnenensemble in nichts nach. Bariton Simon Keenlyside als Golaud glänzte besonders im vierten und fünften Akt als eifersüchtiger Ehemann mit kraftvollem Ausdruck. Maria Nazarova verkörperte die jugendliche Zerrissenheit des Knaben Yniold äußerst differenziert, während Peter Rose als Arkel und Janina Baechle als Geneviève sowohl stimmlich als auch darstellerisch routiniert überzeugten.

Schließlich die beiden Hauptcharaktere: Christiane Karg zeigte die Figur der verzweifelten Mélisande mit weichem Timbre sowie durchdringendem Piano in allen Facetten. Bernard Richter schien die Rolle des Pelléas auf den Leib geschrieben zu sein, sein voluminöser und gleichzeitig lyrischer Tenor konnte das Bühnengeschehen oftmals regelrecht überstrahlen. Beide harmonierten in ihren Debüts an der Staatsoper perfekt miteinander.