Vier Schauspieler sind in der neuen Produktion der Kammerspiele zugange. Das muss man sich immer wieder vor Augen halten. Denn Rollen gibt es in "Die 39 Stufen" deutlich mehr. Es handelt sich um die komödiantische Umgestaltung eines Krimis von John Buchan, den man gemeinhin in der Filmversion von Alfred Hitchcock kennt. Die Agentengeschichte ist himmelschreiend unglaubwürdig, daher eignet sie sich auch so gut für diesen ausgelassenen Klamauk. Alexander Pschill spielt die typische Hitchcock-Hauptfigur, die plötzlich in existenzielle Bedrängnis gerät - hier, weil eine tote Frau in seiner Wohnung liegt. Auf seinem Schoß. Inklusive Messer im Rücken. Zuvor hatte ihm die Dame (eine von dreien, die Ruth Brauer-Kvam spielt) mit russischem Akzent noch eine "sträng gechaime" Sache erzählt. Richard Hannay, so heißt der Unglücksmagnet, macht sich nun an ihrer statt auf den Weg nach Schottland, um den Agentenring "Die 39 Stufen" zu sprengen.

Theatralisch und vor allem komödiantisch gesehen ist da natürlich der Weg das Ziel. In der so turbulenten wie punktgenauen Inszenierung von Werner Sobotka brillieren vor allem Markus Kofler und Boris Pfeifer, die sozusagen alles spielen außer den shakespeare-sprichwörtlichen Löwen. Es wird verschwenderisch mit Akzenten um sich geworfen - da gibt es nicht nur eine Hommage an Didi Hallervorden, da darf auch ein schottischer Bauer zum Tiroler mutieren, das kehlige "Ch" passt ja da wie dort. Kofler hüpft munter aus der irre-diabolischen Rolle des Kopfs der Verschwörung in jene der gemäßigt frivolen Hotelbesitzerin. Pfeifer meistert eine ähnliche Tour de Force vom polternden Bauern zum automatenhaften Gedächtniswunder "Mr. Memory". Also: unter anderem. Einer spielt auch einmal eine Felsspalte.

Gespielt provisorisch

Besonders gelungen sind Szenen, in denen mit fast haarsträubend einfachen Mitteln Effekte hergestellt werden. Etwa eine hinreißende Zugfahrt, bei der die Stationen vorbeigetragen werden und in dem das Sich-immer-wieder-in-den-Waggon-Schlichten zum Running Gag wird. Höhepunkt ist aber eine Szene im Hotel, in der endlich zwei Menschen zu vier Personen werden - ein Zauberkunststück, das nur Komödien vom Typus Holterdipolter schaffen. Mitunter wird das wilde Treiben noch dadurch ironisiert, dass die vierte Wand durchbrochen wird. Und der Eindruck vermittelt wird, dass man einer laienhaften Provisorie beiwohnt. Darauf spielt auch das übersichtliche Bühnenbild oder besser die Ausstattung (Karl Fehringer und Judith Leikauf) an, obwohl es natürlich ausgeklügelt ist. Das Hotel besteht etwa aus zwei Elementen: Ein Rezeptionspult, das umgedreht zum Kamin wird und ein Schlüsselregal, das zum Schrankbett wird. Komplettiert wird der heitere Abend mit Hitchcock-Zitaten, etwa im flott eingefügten Schattentheater, und anderen Filmanspielungen, wie aufgesetzter Stummfilmgestik in einer Liebesszene.

Ein ausgesprochen publikumsfreundliches Beispiel dafür, dass auch wahnwitziger Blödsinn durchaus fulminant sein kann.