Diese vier Allegorien haben einen raffinierten modischen Geschmack. Terror, trägt einen schwarzen Balken über dem Kopf, erzählt von der Tötung des russischen Botschafters in einer Galerie in Ankara im Jahr 2016. Madness, in Ganzkörper-Gelb und mit verwirrendem geometrischen Anhängsel, wünscht sich etwas anderes als "den Habitus des Kapitals". Und während Poems, silbern und in einer Kugel, zur Verantwortung mahnt, bricht es aus Hate crime, einer hellblauen Roulade, hervor: "Fuck white people!".

Für "POEMS of the DAILY MADNESS", einem "romantischen Singspiel", arrangieren Claudia Bosse (Text/Regie) und Günther Auer (Komposition) Textschnipsel unterschiedlichster Herkunft und waghalsig über den Raum verteilte Klänge zu einer begehbaren Wirklichkeits-Bestandsaufnahme in der Nordbahnhalle. Die aufmerksame Lektüre des Programmheftes ist wie immer bei den diskursaffinen Produktionen von theatercombinat unumgänglich. Dort steht zu lesen, dass der zweistündige Sing-Sang-Abend ein "alle Sinne infragestellendes Ereignis" sein und "Position" beziehen will.

Die Replikation der Tausend-gleichzeitig-geöffneten-Tabs-Wirklichkeit gibt so eine "Position" noch nicht her. Also folgt gegen Ende ein utopischer Ausblick: "Es gibt die Werte nicht mehr, die Hass schaffen." Bis es dazu kommt, wird das Publikum auf einen ästhetisch ansprechenden, dramaturgisch mühsamen Kreuzweg durch die tausend gleichzeitig geöffneten Tabs geschickt. "Do not forget about Syria." Und: "Weil alles so ist wie es ist, singen wir."

performance

POEMS of the DAILY MADNESS

Nordbahnhalle

2., Leystraße/Ecke Taborstraße

Wh.: 20.- 22., 24., 25., 27., 28. Okt.