Eine Oper begibt sich in die Tradition des Protestsongs: Dieter Kschwendt-Michel. - © Y. Haddad
Eine Oper begibt sich in die Tradition des Protestsongs: Dieter Kschwendt-Michel. - © Y. Haddad

Dezente Anspielung, subtile Stilisierung oder ästhetische Überhöhung: Nichts da. Mit den Worten "Der Anschluss ist gelungen!" kommt "Me Are The World" gleich auf den Punkt: Es geht um die Nationalratswahl. Es geht um Protektionismus, um das Priorisieren des Eigenen gegenüber dem Rest der Welt, der nötigenfalls durch den Bau einer Mauer auf Distanz gehalten werden soll.

Also hat Schorsch Kamerun das Werk X in ein "Zentrum für Identitätsfindung" verwandelt, in dem sich das Publikum frei bewegen kann, wobei diese Freiheit durch allerlei "Sicherheitsvorkehrungen" gleich wieder eingeschränkt wird. Die Anwesenden werden über Kopfhörer vom Goldene-Zitronen-Frontmann beschallt, dessen Songs sich mit den andernorts im Gebäude vorgetragenen Liedern und Texten zu einer polyphonen Klangkulisse verbinden. Die durchgängige Tonspur ist auch notwendig, denn was man in diesem "Opernspektakel" - eher sollte man von einer begehbaren Installation sprechen - sonst so erlebt, ist reichlich disparat: eine Ofenausstellung, Imker, die Weihnachtsbäume durch die Gegend tragen, nebenbei Purcell’s "Cold Song" (eine Anspielung an die Parndorfer Flüchtlingstragödie?) und manches mehr. Es fehlt an Verdichtungen, bei denen das reizvoll Unabgeschlossene einen erkennbaren Sinn generierte.

Das Konkreteste ist die Musik: Diese bewegt sich stimmlich auf unsicherem Terrain abseits poppiger Glätte, textlich in achtbarer Protestsong-Tradition, dabei überwiegend ruhig, dem Rahmen entsprechend - es geht nicht ums Abrocken, sondern um Inhalte. Die Musik liefert das Narrativ, das der Handlung fehlt. Zum Schluss sehen wir eine Schauspielerin in weißem Pelz als siegreiche Führerfigur: "Ich will, dass manche untergehen", sagt sie. Das ist soweit klar - aber dramaturgisch darum noch nicht überzeugend.

oper

Me Are The World

Von und mit Schorsch Kamerun

Werk X