Wien. Mit kollektivem "U-u-u-h" und "A-a-a-h" raunen mehrheitlich Mädchenkehlen David Bollinger ins Happy-end. Sie meinen "Küss sie!", David. Tori, die Schönste in der Schule, gehört dir. Auch Ironie ist im Spiel. Wir wissen ja, dass alles gut wird. Und altklug gesagt: Der Hexenfluch, den sich David grob fahrlässig einfängt, stellt sich, wie die Pubertät, als schmerzhafte Hürde dem Durchmarsch ins Erwachsenenglück in den Weg. Auch Ferdinand Raimund schickte brave Burschen in solche Prüfungsaggregate. Gerald Maria Bauer (Regie und Bühne) genügen glatte Schiebewände für sein Zauberreich.

Der Buchhandel jammert, dass Jugendbücher kaum mehr "gehen". Direktor Thomas Birkmeir holte einen alten amerikanischen Bestseller ins Theater der Jugend: Louis Sachars "Der Fluch des David Bollinger". Ein Glücksgriff, nicht sein erster in den Prosafundus. Alltäglich die Situation der Kids zwischen 14 und 17: Zerfall einer Bubenbande, die Rabauken schieben den Zögerlichen ins Eck. David (Stefan Rosenthal) geht bloß mit, als die Brutalos Roger (Rouven Magnus Stöhr), Scott (Bernhard Georg Rusch) und Randy (Florian Feik) einer außenseiterischen Dame Angst und Schrecken einjagen. Er streckt ihr, ehe er flieht, den F.-Y.-Mittelfinger entgegen. Aber deshalb trifft ihn ihr Fluch. Ja, der aus dem romantischen Zaubermärchen mit Blitz und Donner.

Alles geht schief, totaler Loser. Was Mrs. Bayfield (Seraphine Rastl) angetan wurde, trifft nun David. In der Schule birst der Sessel unter ihm. Er verliert die Hose und wird ausgelacht. Rivale Scott gewinnt Terrain bei der heimlich verehrten Tori (Shirina Granmayeh). Sogar Schwester Ricky (Sabrina Rupp) kündigt ihm Freundschaft und Gefolgschaft auf. Zwei konträre Typen, selber Außenseiter, bleiben ihm als Helfer treu: die unerschütterlich erdverbundene Mo (Julia Edtmeier) und der Traumtänzer Larry (Markus Gläser), Aufschneider aus Schwäche. David entschuldigt sich bei der bizarren Alten. An ihren Wände hängen hunderte Masken. Daher ihr Ruf als "Hexe", die Lebendigen das Antlitz vom Haupte stiehlt. Gemach! Sie ist bloß Künstlerin im plastischen Fach.