"Die Sprache ist nicht so wichtig", sagt Jango Edwards. "Der Humor spielt sich auf einer anderen Ebene ab." Und so hat der US-Clown mit seinen Shows auch dort Erfolge gefeiert, wo sein Englisch nicht unbedingt verstanden wurde. In Österreich etwa reüssierte er als verrückter Bierdosen-Ami in der ORF-Reihe "Tohuwabohu".

Was damals, in den 1990ern, wohl nicht allen Fernsehzuschauern bewusst war: Es handelte sich nicht bloß um reine Anarcho-Comedy, sondern um eine von Edwards gut 15 Jahre früher entwickelte Form der Clownerie, genannt Nouveau Clowns, in der Tradition großer Pantomimen. Diese modernen Clowns unterscheiden sich im Auftreten durchaus von den klassischen Kindergeburtstags- oder Zirkusclown, und das nicht nur durch das Fehlen der gewohnten roten Nase.

Zwei Nouveau Clowns, die Edwards sogar seine "legalen Fackelläufer" nennt, gastieren nun im Wiener Vindobona: die Fools Brothers. Deren Genese ist eng mit Edwards verbunden. 2004 haben die beiden Brüder Michael und Andreas Schwatosch erstmals eines seiner Seminare besucht. Und sind seither nicht mehr von ihm losgekommen. Dabei kommen sie eigentlich als gelernte Magier aus einer ganz anderen Ecke.

Zauberei nur als beiläufiges Mittel zum Zweck

Dazu muss man wissen: Jango Edwards hasst Zauberei. "Bei uns toleriert er sie aber, weil sie hier eine gewisse Beiläufigkeit hat und eher ein Mittel zum Zweck ist. Andere Clowns können jonglieren oder sind Akrobaten - wir zaubern halt", sagt Michael Swatosch alias Lionel Fool. Tatsächlich wird bei den Fools Brothers auch getrickst, aber es ist nicht der Effekt, das "Wow!", das im Vordergrund steht - sondern der Zaubertrick macht oft einfach den Gag aus. Wenn zum Beispiel Andreas Swatosch alias Liam Fool auf der Bühne pantomimisch minutenlang eine Zigarette und ein Feuerzeug im Wechsel vor sich selbst verschwinden lässt und darob den Verblüfften mimt.

Das Publikum hingegen soll weniger verblüfft als vielmehr gut unterhalten werden. Und hier haben moderne und traditionelle Clowns auch wieder viel gemeinsam: "Der Clown ist unschuldig, frei, neugierig, er scheitert und steht wieder auf. Er spiegelt unsere Gesellschaft wider, genau wie ein spielendes Kind.Dadurch entstehen vermeintlich unterhaltsame Situationen. Tatsächlich ist aber nicht der Clown lustig, sondern die Menschen sind es, die über und mit ihm lachen", sagt Andreas Swatosch. "Kinder sind insofern die geborenen Clowns. Sie lachen, haben Spaß und ein gewisses Grundvertrauen. Je älter man wird, desto mehr verlernt man das. Wir wollen, dass unser Publikum eine unbeschwerte Zeit hat und auch wieder sein inneres Kind entdeckt. Das ist die Aufgabe des modernen Clowns."

Für Kinder ist das aktuelle Programm, mit dem die Fools Brothers ab Freitag im Wiener Vindobona auftreten, trotzdem nicht gedacht. Ihr Zielpublikum sind Jugendliche und Erwachsene. "Es gibt schon durchaus grenzwertige Nummern drin. Ich würde die Altersgrenze bei zehn Jahren setzen", meint Michael Swatosch. "Manches muss man halt nachher erklären - vor allem dass man gewisse Dinge, dir wir auf der Bühne machen, sonst nicht tun darf", ergänzt sein Bruder. Bei Jugendlichen kommt das aktuelle Programm, das eindeutig die Handschrift von Jango Edwards trägt, jedenfalls sehr gut an. Dabei waren dessen berühmte "Tohuwabohu"-Auftritte lange vor ihrer Zeit.

Dank YouTube leben aber auch sie im kollektiven Gedächtnis weiter. Die Online-Videoplattform ist freilich auch für aktuelle Clowns wie die Fools Brothers ein wahres Geschenk. "Buster Keaton, Charlie Chaplin, Stan Laurel, Rowan Atkinson - dank YouTube bekommt man auf einmal Zugang zu Material, das früher nicht so leicht verfügbar war. Da kann man viel adaptieren", meint Andreas Swatosch, der feststellt, dass das Publikum des Jahres 2017 - Zeitgeist hin oder her - über dieselben Gags lacht wie vorangegangene Generationen.