• vom 23.10.2017, 16:33 Uhr

Bühne

Update: 23.10.2017, 16:57 Uhr

Theaterkritik

Jeder Mann? Jedermann!




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Von Theresa Luise Gindlstrasser

  • Simon Meusburgers "Jedermann" mit allerlei Gags.

Am Burgtheater hat die Neuschreibung "jedermann (stirbt)" von Bachmann-Preisträger Ferdinand Schmalz erst im Februar Premiere. Jetzt bereits, nämlich im Schubert Theater an der Währinger Straße, stemmt sich nun schon ein "JEDER.mann" dem trübseligen Tod entgegen. Simon Meusburger, Direktor des Schubert Theaters, inszeniert den hofmannsthalschen Text angereichert um heutige Kommentare und Verweise. "Mittendrin im besten Leben" soll Christoph Hackenberg in der Titelrolle abtreten. Argumentiert sich unter den verzerrten Klängen der Europa-Hymne um Kopf und Kragen. Hauptsache Geld. Hauptsache Ego.

Manuela Linshalm und Franziska Singer bewegen Puppen, Masken und Objekte, beleben all die anderen Figuren. Bunt und brachial verschieden, hat Puppenbauerin Melanie Möhrl für jede Figur etwas Charakteristisches erfunden. Der Glaube schwebt in einer Eierschale herein, der Mammon hat gierige Gliedmaßen und viel zu viele an der Zahl. Die Mutter ist gar nur ein wippender Stuhl, in den sich Jedermann verlogen kauert. Zu Reue noch keineswegs bereit. Dazu Projektionen und dauernd schallende Musik.

Information

Theater
JEDER. mann
Von Hugo von Hofmannsthal
Schubert Theater
Wh.: 18.-30. November

Die Inszenierung folgt dem großen Handlungsbogen, um Detail-Verständnis geht es nicht. Durch die Verse mit Tempo gebrettert, Atempausen immer wieder für Gags. Jedermann bekehrt sich schließlich urplötzlich und sinkt unter den Klängen von Leonard Cohens "You Want It Darker" in die Knie vor Gott. Alles gut. Oder alles nur ein Traum.





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Dokument erstellt am 2017-10-23 16:38:11
Letzte Änderung am 2017-10-23 16:57:26


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