Keine Tabus, dafür viel Selbstironie: Kebekus befasst sich auch mit ihren Oberschenkeln. - © imago/Future Image
Keine Tabus, dafür viel Selbstironie: Kebekus befasst sich auch mit ihren Oberschenkeln. - © imago/Future Image

"Wenn ein Löffelchen voll Zucker bittere Medizin versüßt, rutscht sie gleich nochmal so gut." Mary Poppins’ Wahlspruch hat sich offenbar auch Carolin Kebekus zu Herzen genommen. Denn die Comedy der 37-jährigen Kölnerin ist nur vordergründig locker-flockig komisch. Ihre durchaus derben Anekdoten aus dem eigenen Leben sind sozusagen die Gelatine um den Wirkstoff, den sie ihrem Publikum einflößt.

Und die bitteren Wahrheiten werden ganz ohne Tabus ausgesprochen (Altersfreigabe FSK 16): Ohne jedes verbale Feigenblatt lässt sich die Kebekus über gesellschaftliche und politische Missstände vom Gender Pay Gap über das Asylwesen bis hin zu sexueller Gewalt aus. Zu Letzterer stellt sie fest, dass Hollywood keinen Sexskandal hat, sondern einen Missbrauchsskandal. Denn: "Sex ist, wenn beide Bock drauf haben – das andere ist Vergewaltigung." Vor allem bringt sie in Rage, dass Frauen bei sexuellen Übergriffen immer noch zwischen den Zeilen meist eine gewisse Teilschuld zugeschoben wird. Zitat: "Und wenn ich nackt über die Straße gehe, gibt das niemandem das Recht, mir den Finger hinten reinzuschieben!"

Die Momente, in denen sie klar als Kämpferin für Gleichberechtigung auftritt, streut sie immer wieder zwischendurch ein in ihr zweistündiges Programm voller Alltagspointen, mit denen sie ihr Publikum (in dem auch viele Männer sitzen) auch in der Wiener Stadthalle mehrmals zum Johlen bringt.

Hinter der Femme fatale steckt eine bissige Satirikerin

Die Femme fatale, die sie zunächst gibt, pendelt bald zwischen den Polen "platte Ulknudel" und "bissige Satirikerin" hin und her. Denn Vollsuff-Jugendparty-Erinnerungen haben genauso ihren Platz im Programm wie ernsthafte Auseinandersetzungen mit Social Media samt Shitstorms; die vermeintlichen Erziehungsfehler der Generation X kommen genauso vor wie das fragwürdige Körperbild der Generation Y; Smartphones und YouTube-Verblödung treffen auf private Porno-Feldstudien; sie reißt ebenso Witze über Cellulite wie über weibliche Furze; und ja, auch Helene Fischer muss kurz als Zielscheibe herhalten (warum auch immer) – bevor die Kebekus am Ende des Abends wieder ernst wird und beim Feminismus landet mit der Forderung: "Mehr Eier für die Mädels!"

Mögen alle Frauen so stark sein, wie sie sich auf der Bühne gibt. Sexismus? Fuck off!