Auf die Knie gezwungen: Kátja (Herlitzius). - © Staatsoper/Pöhn
Auf die Knie gezwungen: Kátja (Herlitzius). - © Staatsoper/Pöhn

Viel zu lachen gibt es nicht. Und wenn, dann hat es mit Schmerz zu tun. Wie in der kurzen Szene im Hinterhof: Ein älterer Herr lässt sich da nach Strich und Faden züchtigen. Ein verstohlenes Vergnügen, bei dem die Gerte immer wieder auf den Hintern des "Sünders" herabsaust. Geschwungen wird sie von der scheinbar so tugendhaften Frau Kabanicha.

Im Libretto steht das nicht. Regisseur André Engel hat sich diese Pointe ausgedacht, und sie passt gut in den Kosmos von "Kátja Kabanová": eine Welt, in der eine autoritäre Gesellschaft eine junge Frau Schlag auf Schlag in den Selbstmord treibt. Seit 2011 hat die Staatsoper das aufwühlende, kurze Stück von Leoš Janáček im Talon. Dass Kátja in dieser Produktion nicht in einem Wolga-Dorf, sondern einer slawischen Emigrantengemeinde in New York untergeht, hat durchaus Effekt: Die Tragödie wirkt hier mindestens genauso klaustrophobisch, das Bühnenbild (Nicky Rieti) vermittelt die malerische Melancholie Edward Hoppers.

Am Mittwoch hat dabei erstmals Evelyn Herlitzius die Schmerzensfrau verkörpert: Rein optisch ein zartes Pflänzchen, entfesselt sie vokal Bärenkräfte - so unbändig und grell, als könnte diese Kátja ihre Unterdrücker in Grund und Boden singen. Am tödlichen Ende vermag freilich auch dieses Energiebündel nichts zu ändern. Dabei berührt Herlitzius am stärksten, wenn sie Kátjas Schicksal in gedämpft-herben Noten besingt und dafür ihren Wagner-Panzer ablegt.

Herbert Lippert lässt sich als verkühlt ansagen, verleiht dem Boris aber noble Kraft; Leonardo Navarro singt den Kátja-Gemahl und Muttersohn Tichon mit kernigen Noten, Janina Baechle stellt eine übermächtige Kabanicha auf die Bühne, Margaret Plummer erfreut als herzerwärmende Varvara. Graeme Jenkins liefert nicht das detailstärkste aller "Kátja"-Dirigate, entfesselt mit dem Orchester aber fallweise enorme Sogkraft.