Wolfgang Moser verzaubert bei RTL zunächst Wasser in verschiedene andere Getränke . . . - © KonoPIX
Wolfgang Moser verzaubert bei RTL zunächst Wasser in verschiedene andere Getränke . . . - © KonoPIX

Wien. Ein kleiner Teekessel, der Wasser nacheinander in Rotwein, Weißwein, Bier, Tequila Sunrise und heißen Kaffee verwandelt, um am Ende noch Zucker zu streuen – mit diesem Zaubertrick hat der 40-jährige Österreicher Wolfgang Moser (der auch amtierender Vizeweltmeister der Magie ist) am Freitagabend den von den Ehrlich Brothers präsentierten "Showdown der weltbesten Magier" auf RTL gewonnen. Die "Wiener Zeitung" hat mit dem Magier, der seinen Teekessel demnächst auch im Wiener Schloss Schönbrunn und im Kulturzentrum Hof in Linz vorführt, über seinen Zugang zur Zauberei, Magie im Fernsehen und Tricks, die in die Hose gehen, gesprochen.

"Wiener Zeitung": Ihr magischer Teekessel hat das RTL-Saalpublikum überzeugt. Wie lange hat die Entwicklung des Tricks gedauert?



Wolfgang Moser: An der Nummer habe ich ungefähr drei Jahre gearbeitet, mit sehr viel Recherche in der Zaubergeschichte. Der Effekt selbst ist schon mehr als 100 Jahre alt, Zauberer hatten immer wieder solche Nummern. Die Version, die ich vorführe, habe ich aber selbst entwickelt.

Ist es reine Technik oder auch Fingerfertigkeit? Sprich: Könnte jeder mit Ihrem Kessel zaubern, wenn Sie ihn einschulen?

Wie bei jeder Nummer gibt es nicht nur ein Geheimnis - das ist also nicht nur Psychologie oder Ablenkung oder ein technischer Trick allein -, sondern es ist eine Mischung aus vielen Dingen. Ich habe gar keinen Trick, bei dem ich nur auf einen Knopf drücken muss, und es funktioniert von selbst. So etwas gibt es zwar auf dem Markt, aber das macht mir selbst wenig Spaß. Als Zauberer möchte ich ja auch beim Vorführen immer auch noch mich selbst einbringen. Auch mein Teekessel macht nicht alles von selber. Was bei der Nummer nett ist: Normalerweise ist Profis bald klar, wie ein Trick funktioniert, auch wenn sie ihn zum ersten Mal sehen. Aber mein Teekessel ist offenbar auch für meine Zaubererkollegen ein großes Mysterium.

. . . ehe er aus seinem Teekessel Zucker für den heißen Kaffee streut. - © KonoPIX
. . . ehe er aus seinem Teekessel Zucker für den heißen Kaffee streut. - © KonoPIX

Sind Sie selbst ein geeignetes Publikum für Zaubershows oder langweilt es Sie, weil Sie ja sowieso die meisten Tricks erraten?

Nein, es langweilt mich überhaupt nicht. Ich schaue da weniger auf die Tricks und wie sie funktionieren, sondern auf die Kollegen, wie sie das Ganze vorführen. Da sehe ich auch viele kreative Ideen bei der Präsentation. Das ist dann für mich interessant.

Was bei Ihnen auffällt, sind die aufgekrempelten Ärmel.

Ich zaubere immer ohne Sakko und mit nackten Unterarmen, um zu zeigen, dass da nichts ist. Als Zauberer möchte man ja alle potenziellen Lösungsmethoden beim Publikum ausschließen - auch alle falschen. Wenn der Zuschauer eine falsche Lösung im Kopf hat, ist das ja genauso schlimm, als wenn er die richtige hat.

Würden Ihre Tricks auch auf einer 360-Grad-Bühne funktionieren?

Nicht alle. So etwas kommt aber immer wieder einmal vor, da ist es dann gut, ein großes Repertoire zu haben. Die Schwierigkeit bei einer 360-Grad-Bühne besteht aber vor allem darin, dafür zu sorgen, dass alle Zuschauer auch den Trick gut mitverfolgen können.


Ist der Teekessel eigentlich ihr persönlicher Lieblingstrick? Oder ist Ihnen ein anderer noch mehr ans Herz gewachsen?

Ich habe ganz viele Lieblingstricks, die wechseln auch mit meinen Programmen. Aber seit ich den Teekessel mache, finde ich den am stärksten. Weil es auch wirkt wie echte Magie. Das sind die Sachen, die ich am liebsten mache. Mein übliches Programm ist sehr abwechslungsreich: Da gibt es besonders lustige Dinge, andere haben viel Interaktion mit dem Publikum, jede Nummer hat ihre eigenen Stärken. Und der Teekessel ist halt ein richtiges kleines Wunder.

Welchen Trick wollten Sie schon immer selbst machen, haben ihn aber nicht durchschaut?

Die Ehrlich Brothers haben einen eigentlich jahrhundertealten Trick neu inszeniert, bei dem sie ein Samenkorn in einen Blumentopf einpflanzen, das dann vor den Augen der Zuschauer zu einem Orangenbäumchen wächst. Das finde ich wunderbar magisch und würde es sofort selbst machen - aber ich weiß nicht, wie es geht.

Aber den Trick mit der Münze, die durch die Glasscheibe geht . . .

. . . führe ich in einer eigenen Version auch in meiner Show vor.

Haben Sie den Ehrlich Brothers eigentlich hinter den Kulissen Ihren Trick verraten?

Nein. Sie hätten ihn mir aber abkaufen wollen. Ich glaube nicht, dass sie wissen, wie er funktioniert. Sie ahnen es vielleicht, aber sie wissen es nicht.

Zur Belohnung gibt es am Ende den Siegerpokal, 10.000 Euro Preisgeld - und eine Ladung Schlamm für Chris Ehrlich, weil Wolfgang Moser in Andreas Ehrlichs Team war. - © KonoPIX
Zur Belohnung gibt es am Ende den Siegerpokal, 10.000 Euro Preisgeld - und eine Ladung Schlamm für Chris Ehrlich, weil Wolfgang Moser in Andreas Ehrlichs Team war. - © KonoPIX


Wie gehen Sie generell mit dem Spannungsfeld um, dass Ihr Publikum ganz genau weiß, dass Sie ihm eine Illusion verkaufen, und dahinterkommen möchte, während es doch eigentlich einfach fasziniert sein sollte?

Ich sehe das als Spiel. Es gibt natürlich Vorführer, die es genießen, dass ihr Publikum sich fragt, ob das jetzt echt ist oder nicht. Das mag ich eigentlich gar nicht. Insofern bin ich sehr froh, dass bei mir von vornherein klar ist, dass das alles Tricks sind. Mein Ziel ist, dass die Leute sich zwar vielleicht am Anfang noch grübeln, wie es funktioniert, aber irgendwann kommt der Punkt, an dem sie einfach aufgeben und sich der Illusion hingeben und einfach staunen.

Darf ein Trick in die Hose gehen?