Warum ist auf der Weltkarte Grönland gleich groß wie Afrika? Und wie ist es überhaupt möglich, eine Kugeloberfläche auf einer Ebene abzubilden? Es sind schwierige Fragen, die am Anfang des Kindertheaterstücks "Atlas der abgelegenen Inseln" in den Raum gestellt werden. In den folgenden 60 Minuten wandelt sich die Musiktheaterinstallation jedoch vom philosophisch-politischen Edutainment zu einer temporeichen Adaption des gleichnamigen Buchs von Judith Schalansky, in der es weniger um kartographische oder ethische Fragen geht als um die Lust am Geschichtenerzählen. Und so erwecken die zwei Performerinnen und die beiden Musiker auf der Bühne des Dschungel Wien der Reihe nach eine Vielzahl bemerkenswerter, absurder oder tragikomischer Episoden zum Leben, von denen jede emblematisch für eines der titelgebenden Eilande steht. Dass neben dem Theaterkollektiv makemake produktionen, dem Dschungel und dem Vorarlberger Landestheater auch Wien Modern an der Produktion beteiligt ist, verdankt sich der Musik, die Hannes Dufek dafür komponiert hat.

Das klangliche Geschehen drängt sich nie in den Vordergrund, sondern folgt der Geschichte pragmatisch in unterschiedliche Stil-Regionen: von einfachen tonalen Stücken für Klarinette und Viola bis zu geräuschlastigen Soundkulissen, auch der schwyzerdütsche Klassiker "Campari Soda" kommt zu Ehren. Der Soundtrack "funktioniert" - ebenso wie Sara Ostertags Inszenierung. Ob sich die Zielgruppe "10+" angesprochen fühlt, war nach der vorwiegend von Erwachsenen besuchten Premiere schwer einzuschätzen - Letzteren jedenfalls gefiel’s.