Ein Belcanto-Ulk: Florian Köfler (Pasquale) und Carolina Lippo (Norina). - © Herwig Prammer
Ein Belcanto-Ulk: Florian Köfler (Pasquale) und Carolina Lippo (Norina). - © Herwig Prammer

Das Positive vorweg: Die Kammeroper zeigt eine neue musikalische Fassung des "Don Pasquale", und man kann daran fast so viel Spaß haben, wie ihn Tscho Theissing wohl bei der Arbeit hatte. Der Grenzgänger zwischen Klassik und Musikantentum hat sich die Partitur von Gaetano Donizetti ohne wissenschaftliche Skrupel, dafür mit viel Spaß an der Freud’ zur Brust genommen. Resultat: Das Klangbild wurde grell umgefärbt (statt Orchester werkt nun eine Kombo mit Streichtrio, Xylofon, Vibrafon, Akkordeon und quirligen Bläsern); außerdem hat Theissing, hier auch als Dirigent tätig, die Belcanto-Musik stilistisch neu eingekleidet und sie unter Beimischung von Charleston, Cha-Cha-Cha und Schubidu-Jazz ins mittlere 20. Jahrhundert versetzt: musikalisches Regietheater gewissermaßen - ohne die ganz feine Klinge, aber mit genug Pointenausschüttung für bunte 130 Minuten.

Allzu grell treibt es die Regie. Sie prügelt Donizettis Opernspaß auf ein Wuchtelniveau herunter, dass der Villacher Fasching daneben aussieht wie eine Grüblerkomödie von Woody Allen. Don Pasquale, der heiratswillige Alte, scharwenzelt um die resolut-junge Norina hier in einem Morgenmantel, in Feinripp oder Strampler herum. Ist die Dame einmal nicht zugegen, schnippt er zum Beweis seiner Ungustl-Natur einen (simulierten) Rotzrammel ins Publikum. Ein echter Tiefpunkt ist aber erst erreicht, wenn sich dieser Don einen Gummihandschuh überstülpt und damit die Unversehrtheit seiner Braut unter ihrem Rock prüft.

Themenwechsel: Die knallig-nostalgischen Kostüme passen jedenfalls zur Musik, und die Vexierbilder auf dem Vorhang (schwarz-weiße Pfeile) sind insofern ein Segen, als sie dem Auge eine Alternative zu den Ulk-Pointen bieten. Schön auch, dass zwei der Darsteller gut singen (Carolina Lippo als Norina, Matteo Loi als Malatesta). Der Abend findet ein Ende, das Publikum den Ausgang.