In seinem neuen Programm "Zukunft" beschäftigt sich der Kabarettist Thomas Maurer mit eben dieser. Elektrische Bienen kommen dabei ebenso vor wie selbstfahrende Formel-1-Boliden und die Frage, was der technische Fortschritt mit uns macht. Letztere beschäftigt ihn auch als dreifachen Vater.

"Wiener Zeitung": Ihr Programm heißt "Zukunft". Sind Sie als Jahrgang 1967 eigentlich enttäuscht, dass wir 2017 noch keine fliegenden Autos haben?

Thomas Maurer: Die kommen auch im Programm vor. Ganz besonders enttäuscht das Leute wie den Paypal-Gründer Peter Thiel, einen ein bisschen asozialen Irren, aber zweifellos hochintelligent. Es ist ja gerade eine ganze Partie an Silicon-Valley-Milliardären dabei, diese Enttäuschung nachzuholen. Elon Musk zieht die private Raumfahrt auf, und Peter Thiel will überhaupt den Tod abschaffen, zumindest für Reiche.

Wäre das auch etwas für Sie?

Abschaffen nicht, strecken ja. Es gibt schon sehr viel, wovon ich weiß, dass ich nicht mehr dazu kommen werde - das war mir allerdings auch schon mit zwanzig klar. Es gäbe sehr viele Fertigkeiten, die ich gerne erlernen würde, Sprachen zum Beispiel, und wenn man von dieser lästigen Erwerbsarbeit entbunden wäre, käme man natürlich zu mehr. Aber es ist ganz interessant, dass diese kindlichen Faszination für Science Fiction sich plötzlich in der Realität niederzuschlagen beginnt. Iain Banks hat in seinen "Culture"-Romanen eine Art postkapitalistisch-hochindividuell-anarchistische Hightech-Gesellschaft präsentiert, was Elon Musk offenbar zu seinen Investments in Hirn-Computer-Interfaces inspiriert. Und Leute wie er haben jetzt tatsächlich das Potenzial, ein paar Schritte dorthin zu gehen. Das ist interessant, ein bisschen rührend und schon auch ein bisschen erschreckend.

Aber Elon Musk baut auch E-Autos und tut damit etwas gegen den Klimawandel. Und er treibt damit eine ganze Branche vor sich her, sodass man auf mehr klimafreundlichere Autos hoffen kann.

Ja, man hofft zumindest, dass die Akku-Entwicklung dahin führen wird, dass die ökologische Bilanz irgendwann nicht mehr nur ausgeglichen, sondern deutlich zugunsten des E-Fahrzeugs ausfallen wird. Ich versuche mich da ja als Kabarettist nicht nur mit den Dystopie-Ideen zu beschäftigen, obwohl es naheliegt: Achtung, Kabarett, da muss man schwarzmalen. Nur, wenn ich über den gegenwärtigen Zustand der Ökosphäre nachdenke, brauche ich nicht viel schwarzzumalen. Und wie wahrscheinlich jeder Mensch bin auch ich sehr zerrissen zwischen einem grundsätzlichen Begrüßen von Fortschritt und einer realistischen Einschätzung, wo das überall schiefgehen kann. Auf dem medizinischen Stand des 19. Jahrhunderts hätte ich sicher schon zwei- oder dreimal das Zeitliche gesegnet, und ich schätze es auch sehr, Siebzigerjahre-Platten, die man früher günstigenfalls nach jahrelanger Jagd in einer zerkratzten Version um ein paar hundert Schilling bekommen hat, jetzt einfach auf Spotify zu finden.