• vom 06.12.2017, 16:02 Uhr

Bühne

Update: 28.12.2017, 16:14 Uhr

Opernkritik

Mit dem Paternoster ins Inferno




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Von Andreas Meier

  • Elena Pankratova debütierte als Elektra in der Wiener Staatsoper.

Elena Pankratova gestaltete die Titelrolle mit vielschichtigem Spiel.

Elena Pankratova gestaltete die Titelrolle mit vielschichtigem Spiel.© Staatsoper/Michael Pöhn Elena Pankratova gestaltete die Titelrolle mit vielschichtigem Spiel.© Staatsoper/Michael Pöhn

Ein dunkler Kohlekeller, in dem geschundene Seelen ihr Dasein fristen und einzig ein etwas deplatzierter Paternoster den Weg in die Freiheit erahnen lässt. Noch ehe man, von Uwe Eric Laufenbergs Bühnenbild irritiert, auf ein verzweifeltes "Gott, welch Dunkel hier!" wartet, erhebt Ingo Metzmacher den Taktstock. D-Moll. Fortissimo. Elektra! Richard Strauss’ psychische Polyphonie wurde an diesem Abend in der Staatsoper bis an ihre Grenzen ausgelotet.

Waltraud Meier als Klytämnestra stand bei ihrem Auftritt nicht nur räumlich zwei Stufen über dem restlichen Ensemble. Ihre Textgestaltung, die vielfältigen Vokalfarben und ihre Bühnenpräsenz zeigten einmal mehr die Ausnahmestellung der Kammersängerin. Dem gegenüber geriet das Staatsopern-Rollendebüt von Elena Pankratova als Elektra etwas in den Hintergrund. Das lag nicht an der Stimme, Pankratova spielte vielschichtig, mit dramatischem, aus einem vollen Mittelregister schöpfendem Sopran, der in den ruhigen Momenten auch lyrische Qualitäten zeigte. Allein die mangelnde Textverständlichkeit trübte ihr Gesamtbild. Hier bot Gun-Brit Barkmin als Chrysothemis ein passendes Gegenbild: Mit klarem, durchdringendem Ton und präsenter Diktion belebte sie die zuweilen in Vokalisen vergehenden Monologe Elektras merklich.


Auch die männlichen Antipoden bildeten ein solches Gegensatzpaar. Johan Reuter als profunder und stimmgewaltiger Orest und Norbert Ernst, der den Aegisth sehr modern und ohne Pathos am Text entlang gestaltete.

Metzmachers rhythmisches, fast perkussives Dirigat ließ viele Details der Partitur geradezu konzertant hervortreten und spannte die dynamischen Bögen bis zum Zerreißen. Die Wucht von Strauss’ harmonischen Extremen in solch konkrete Formen gegossen zu hören, machte diese Elektra zu einer Grenzerfahrung, die noch lange nachhallte.

oper

Elektra

Von Richard Strauss

Wiener Staatsoper




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-06 16:05:05
Letzte nderung am 2017-12-28 16:14:08



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