• vom 15.12.2017, 13:15 Uhr

Bühne

Update: 15.12.2017, 14:55 Uhr

Thomas Maurer

Der Familienkombi im Zeugenstand




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Von Andreas Rauschal

  • Thomas Maurer widmet sich mit seinem Soloprogramm "Zukunft" dem Kommenden und der Technik.

Technikwandel als Quantensprung: Maurer denkt über die Zukunft nach.

Technikwandel als Quantensprung: Maurer denkt über die Zukunft nach.© Lukas Beck Technikwandel als Quantensprung: Maurer denkt über die Zukunft nach.© Lukas Beck

"I’ve seen the future, brother. It is murder!" Für Leonard Cohen fiel die Betrachtung des Kommenden im Jahr 1992 dystopisch aus. Und bereits Karl Valentin übersetzte eine von jeder Generation irgendwann im Lauf ihres Lebens entweder aus Erfahrung oder zumindest aus Abstumpfung gemachte Erkenntnis in den Antikalenderspruch "Die Zukunft war früher auch besser". Vielleicht würde es gerade heute in Zeiten des tagtäglichen Krisenkinos zwischen Klimawandel, Migrationselend, anachronistisch dräuender Atombombengefahr oder zumindest schon wieder steigenden Bierpreisen (Schweinerei!) die nüchtern-kluge Analyse eines Victor Hugo benötigen, der es einmal so formuliert hat: "Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance."

Thomas Maurer jedenfalls denkt zunächst auch an das uns unmittelbar Bevorstehende in Form einer Neuauflage von Schwarz-Blau, die ungefähr so sinnvoll sei, "wie sich die Milchzähne noch einmal einsetzen lassen". Nach etwas politischer Wuchteldruckerei per Videozuspieler wird Maurer im Wiener Stadtsaal aber nicht nur in Fleisch und Blut erscheinen, weil er von seinem letzten Konzertausflug in die Mehrzweckhalle weiß, dass auch Damon Albarn trotz Unterstützung seiner virtuellen Band Gorillaz bei der Arbeit noch schwitzen muss - eine alte Showbusinessregel lautet: "Der Künstler muss leiden. Oder zumindest da sein." Dem mit 16 Soloprogrammen seit dem Jahr 1988 bekanntlich umtriebigen Kabarettisten wäre als Hologramm oder Avatar mit sehr viel Tagesfreizeit und keinem Bühnenauftrag wohl auch erheblich zu fad.

Information

Kabarett

Thomas Maurer

Wiener Stadtsaal

Ein Telefon ohne Kabel

Als einen Mitgrund dafür, dass er die Zukunft heute vor allem in technologischer Hinsicht verhandelt, hat Maurer übrigens den Communicator von Captain James T. Kirk aus "Star Trek" mit auf die Bühne gebracht. Der war einst sehr faszinierend. Heute jungen Menschen ist das nur schwer zu erklären, aber früher galt es als eher utopisch, dass Telefone einmal keine Wählscheibe oder Kabel mehr haben könnten - oder zu mehr gut sein sollten als zum Telefonieren. Diese Amis immer und ihr Science-Fiction-Schas! Von Deep-Learning-Systemen und Algorithmus-Jazz, der überzeugenderweise wie von echten Klassikstudenten gespielt "sogar a bisserl gschissn klingt", über uns überwachende Technik, "die bei Promischeidungen noch dazu führt, dass der Familienkombi in den Zeugenstand kommt", bis hin zu den Forschungsbestrebungen im Silicon Valley in Sachen Lebensverlängerung reichen die Themen. Von der Schmach, Hilfe vom eigenen Nachwuchs bei IT-Problemen zu brauchen, einmal ganz abgesehen. Thomas Maurer kennt sich da aus! Und er ist sehr lustig.

Gute Entwicklungen - wie in der Medizin - gibt es zwar auch. Stichwort menschliches Ersatzteillager. "Der männliche Menschheitstraum: endlich zum Arzt gehen wie zum Mechaniker!" Dafür wiederum ist "die schleichende Entwertung des sinnlosen Wissens" durch das Smartphone zu beklagen. Jeder, dem - wie Maurer - einmal ein Googler zuvorkam, als er gerade aus dem Effeff über die Geschichte der Mayonnaise im alten Rom referieren wollte, kann es nachvollziehen.

Davor und danach bringt "Zukunft" (Regie: Petra Dobetsberger) auch das kindliche und jugendliche Ich Maurers auf die Leinwand und wagt eine Vorschau auf das Morgen mit dem Kabarettisten als Salafist in der Pensi oder als Modernisierungsverlierer am Rollator. Der Technikwandel ist ein Quantensprung - und keine Schwingkopfinnovation aus der Dentalhygiene.





Schlagwörter

Thomas Maurer, Kabarettkritik

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-15 13:08:06
Letzte nderung am 2017-12-15 14:55:55



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