"Gretel, ich weiß den Weg nicht mehr", singt Hänsel in einer der geisterhaft-unheimlichen Szenen von Engelbert Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel". Während die beiden Kinder auf der Bühne unsicher durch den Wald irrten, war für den deutschen Dirigenten Patrick Lange an diesem Abend in der Wiener Staatsoper der Weg von vornherein klar: immer schnurstracks geradeaus!

Margaret Plummer als Hänsel gelang es, sowohl die stimmliche als auch die kokett-knabenhafte Seite ihrer Rolle mit differenzierter, von feinen Zwischentönen belebter Deklamation darzustellen. Die sängerisch ebenfalls tadellose Chen Reiss als Gretel fiel in puncto Bühnenpräsenz zwar etwas zurück, bildete aber gerade dadurch eine ideale Ergänzung. Adrian Eröd gab einen stimmlich vielseitigen Vater, dessen raumgreifendes Spiel in der leider etwas blassen Donna Ellen als Mutter keinen Gegenpart fand. Monika Bohinec als lebhafte, vielleicht etwas zu schrullig-nette Hexe und Bryony Dwyer, die in der Doppelrolle als Sand- und Taumännchen vom Dirigenten fast beiläufig durchgewunken wurde, ergänzten das Ensemble.

Am Rande der Oberflächlichkeit dirigiert


Adrian Nobles Inszenierung aus dem Jahr 2015, mit einigen interessanten Lichteffekten und Projektionen ausgestattet, transportierte die Oberfläche der Märchenhandlung wunderbar. Dass es nicht wesentlicher wurde, lag aber vor allem an Dirigent Lange, der das unterspannte Staatsopernorchester, wohl in der Hoffnung auf musikalische Stringenz, stets am Rande der Oberflächlichkeit führte.

Wackelige Übergänge, Intonationsprobleme und allen voran ein zu gleichförmiges Dauer-Mezzoforte nahmen der Dramaturgie jegliche Polarität. Dass hinter dem dichten Orchesterwald auch der Kinderchor der Staatsoper verschwand, war schon fast vorhersehbar, und ehe man sich in Humperdincks vielschichtiger Schlussszene zurechtfand, war sie auch schon vorbei - Klappe zu, Hexe tot.

Oper

Hänsel und Gretel

Wiener Staatsoper

www.staatsoper.at, 01/5131513

Wh.: 30. Dezember, 2. Jänner