Schon ihr erstes Kabarett-Solo im November 2015 ("Als ob Sie etwas Besseres zu tun hätten") war für Lisa Eckhart (Jahrgang 1992) ein Erfolg: Im Herbst 2016 gewann die junge Steirerin – die eigentlich aus der Poetry-Slam-Szene kam – damit den Förderpreis beim Österreichischen Kabarettpreis. Auch in Deutschland wurde sie bereits mit zwei Kabarettpreisen ausgezeichnet (einen davon nimmt sie diesen Samstag in Nürnberg entgegen). Viel Ruhm also in kurzer Zeit.

Jetzt legt sie mit ihrem zweiten Solo nach: "Die Vorteile des Lasters" hatte nun im Wiener Kabarett Niedermair Premiere. Ganz in Schwarz gekleidet steht Eckhart auf der Bühne. Auffällige dunkle Federn ragen wie Flügel – einem schwarzen Engel gleichend – hinter ihr empor. Sie zieht die Blicke auf sich und hält der Gesellschaft den Spiegel vors Gesicht. Der rote Faden des Programms beruht auf der Annahme, dass Gott gestorben sei und uns alle von der Ursünde enterbt habe. Ohne Sünde gibt es aber keine Hölle - und Eckhart möchte genau dorthin, weil dort ihre Verwandtschaft sitzt. Auf der Suche nach der Hölle widmet sie sich den Sieben Todsünden. Vom Stolz bis zur Trägheit geht es mit ihr immer tiefer in die Abgründe.

Wenn Eckhart zum Beispiel an die Habgier denkt,dann wünscht sie sich allerdings, dass manch einer – in Anspielung auf die Sozialen Medien – mit seinem Gedankengut geiziger wäre. Im Laufe des Abends lässt die Steirerin Konsumenten und Konzerne, Pädophile, Kirche und Gesellschaft über die Klinge springen. Bei purzelnden Preisen namhafter Elektrohändler werden die Geschäfte gestürmt und geplündert. Am Ende erinnert es sie an das Chaos im zerstörten Aleppo. Fastfood-Ketten und Getränkehersteller folgen dem Gesundheitswahn und betreiben mit "Light"- und "Life"-Bezeichnungen "Green-Washing". Doch: "Ein grüner Smoothie ist noch kein Absinth." Ihr polyvalentes, bissiges Programm wurde vom Premierenpublikum mit Applaus belohnt.