• vom 11.01.2018, 16:24 Uhr

Bühne

Update: 11.01.2018, 16:34 Uhr

Performance

Dreckiges in sauberen Zeiten




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Von Martin Pesl

  • Performerin Barbara Ungepflegt gründet fiktives Heimatschmutzministerium.

Ministerin Ungepflegt.

Ministerin Ungepflegt.© Posch Ministerin Ungepflegt.© Posch

Wussten Sie nicht? Die Performance-Künstlerin Barbara Ungepflegt ist die neue Frau Bundesminister für Heimatschmutz. Das teilte sie in einer knapp neunminütigen Pressekonferenz im Wiener Lokal Hofburgstüberl mit.

Ungepflegt hat in den letzten Jahren mit Aktionen und Dauerinstallationen im öffentlichen Raum auf sich aufmerksam gemacht, etwa dem "Heimatpanorama" am Michaelerplatz und einer temporären Wohnung in einer Bushaltestelle in Brigittenau. Dass es in der neuen Regierung entgegen Gerüchten nun doch kein sogenanntes "Heimatschutzministerium" gibt, hält Ungepflegt nicht davon ab, von anklingenden Nationalismen im Bereich der inneren Sicherheit alarmiert zu sein und eine spontane No-Budget-Aktion ins Leben zu rufen.


Bei der Pressekonferenz verliest sie eine Rede des neuen Innenministers Herbert Kickl, in der sie nur ein paar Worte ausgetauscht hat, sodass sie wie die Chefin einer staatlichen Reinigungsfirma wirkte, die Österreich von heimatfernen Verunreinigungen zu befreien gedenkt. Sie will ein "Top-Arbeitgeber" sein. "Für mich selbst bedeutet das, dass ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Kompetenz geben möchte, ihre Funktionen in vollem Umfang und mit einem Höchstmaß an Eigenverantwortung ausüben zu können."

Die erschreckende Aussicht, Exekutivbeamte sollten möglichst nach eigenem Ermessen "spärlich beschmutzte Straßen" kontrollieren, wird durch einen Herrn mit Uniform, Sonnenbrille und Bier unterstrichen, der zu den Aussagen der "Ministerin" heftig nickt und zustimmend bellt. Neben Ungepflegt sitzt die Künstlerin Hanna Hollmann in der Rolle von "N. N., Bundesvorsitzende Frau in der Heimat" und hat - nichts zu sagen. Der Pressemappe liegt eine Autogrammkarte der heimatlich reinen Ministerin bei. Natürlich darf man sie auch fotografieren, aber dann ist es auch schon wieder vorbei.

Weitere Aktivitäten des fiktiven Ministeriums sind im Februar rund um den Opernball (8. Februar) geplant. Man darf sich darauf freuen. Nicht etwa, weil Barbara Ungepflegt sonderlich viel bewegen könnte, aber weil ihr Humor eine neue Hochglanz-Polit-Ära erfrischend dreckig begleitet.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-11 16:29:14
Letzte Änderung am 2018-01-11 16:34:29


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