Kabarett ist, wenn einer auf der Bühne steht und den anderen sein Weltbild erklärt. Nach diesem Motto lässt Robert Palfrader in seinem ersten Soloprogramm sein Publikum an seinen Ansichten über Gott und die Welt teilhaben. Und zwar vor allem über Gott. Denn der katholisch sozialisierte Atheist rechnet vor allem mit seinem Schöpfer ab (an den er schon allein deshalb nicht glaubt, weil er nicht glauben will, dass einer erst den Menschen erschafft und diesen dann 95.000 Jahre ang’lehnt lässt, ehe er sich endlich um ihn kümmert). Und stellt klar, dass ihm Leute, denen ein heiliges Buch wichtiger ist als irdische Gesetze, mehr als nur suspekt sind. Und er erklärt, wie er selbst an Jesu Stelle am Ölberg agiert hätte.

Statt bei Gott sucht Palfrader sein Heil (vergeblich) in der Wissenschaft - die allerdings zumindest die Sache mit Adam und Eva doch irgendwie glaubhaft macht, "weil alle Menschen auf der Welt genetisch von einer einzigen Frau abstammen". Wobei sich da die Frage aufdrängt: Wie geht sich das aus, dass zwar alle Menschen laut Genetik zu 99,9 Prozent ident sind, "aber 50 Prozent davon Volltrotteln"? Antwort: Am Ende (Achtung, Spoiler!) gibt Palfrader unumwunden zu, dass er selbst "auch nur ein Volltrottel" ist, der ja auch nicht mehr weiß als sein Publikum.

Der Sinn des Lebens

Aber der Reihe nach. Zu Beginn stellt sich der 49-jährige Palfrader die Sinnfrage: Warum gibt es ihn überhaupt? Und warum hat sich - für ihn zum Glück - ausgerechnet sein Spermium durchgesetzt? An dieser Stelle gerät der Zeugungsprozess zu einem Actionkracher frei nach Bruce Willis.

Die viel wichtigere Frage ist aber: "Was bin ich?" Die Antwort sucht er bei der bereits erwähnten Wissenschaft und macht einen Gentest, der ein für ihn selbst erstaunliches Ergebnis offenbart, aber auch eine kleine Enttäuschung bereithält. Apropos Gene: In diesem Zusammenhang würde ihn schon auch interessieren, wie der Genpool des Heilands ausgesehen hat. Schließlich muss Jesus doch ein göttliches Y-Chromosom in sich getragen haben. Dieser Gedanke führt ihn zum Thema abstruse Reliquienverehrung und unweigerlich weiter zur Religion.

Seine Auseinandersetzung damit trägt eine sehr persönliche Note, und die Art und Weise, wie er erklärt, warum er mit der Religion gebrochen hat, grenzt zwar hin und wieder ans Polemische, schrammt aber am Beleidigenden vorbei. Insofern stößt Palfrader niemanden vor den Kopf, gibt seinem Publikum aber allerhand Bedenkenswertes mit auf den Heimweg. Nur er selbst steht am Ende ohne eine Antwort auf seine Fragen nach dem Sinn des Lebens da.

Dafür hat er seine Zuhörer davor zwei Stunden lang auf sehr hohem Niveau unterhalten, seine gut ausgearbeiteten Pointen sehr gekonnt gesetzt und zwischendurch auch seine Landsleute von ihrem hohen österreichischen Ross gezerrt beziehungsweise mit dem ganz harten Pointenstiefel heruntergetreten. Mit einem Humor, der so schwarz ist wie sein Poloshirt.