Irgendwie musste das Klo kaputt werden. Also hat Gustin einen Tennisball hineingestopft. Erst dann konnte er ja den Installateur anrufen. Damit endlich einmal wieder jemand zu Besuch kommt. Dieses eigentlich erschütternde Bekenntnis zur Einsamkeit macht Rudolf Melichar als besagter Gustin mit entwaffnend leichtfüßigem Humor. Der Installateur war dann auch da, aber nicht lange. Der hätte Gustin aber auch gar nicht so viel gebracht wie der Besuch von Krankenschwester Suzanne (Irina Sulaver) - weil der Installateur nämlich nicht wie Gustins Tochter Zephyr aussieht.

Diese Ähnlichkeit bringt Noah Haidles Stück "Saturn kehrt zurück", das am Samstag im Vestibül österreichische Erstaufführung feierte, in Gang. Denn Suzanne besteht darauf, dass ihr Gustin erzählt, was mit seiner Tochter geschehen ist. Nur sehr gequält lässt er sich überreden, von jenem Sarg aus Mexiko zu erzählen, der eigentlich die Leiche seiner Tochter beinhalten sollte, aber nur einen einäugigen Mexikaner namens Manuel beherbergte.

In Rückblicken führt das Stück schließlich zurück zu zwei einschneidenden Ereignissen in Gustins Leben. Sie folgen dabei dem Lauf des Saturns, des Planeten, der in (ungefähr) 30-Jahres-Abständen wieder am selben Platz landet. Es gibt also neben dem 88-jährigen Gustin, den Melichar so herrlich lakonisch darstellt, einen 58-jährigen (Peter Knaack) und einen 28-jährigen (Tino Hillebrand). Letzterer verfügt noch über eine lebende Ehefrau, Loretta (ebenfalls Irina Sulaver), die sich herzlich langweilt in Erwartung einer erfolgreichen Familiengründung. Sie weiß noch nicht, dass gerade die Geburt ihrer Tochter ihr Leben schlagartig beenden wird.

Fatale Flucht nach Mexiko

30 Jahre später versucht Tochter Zephyr (wieder: Irina Sulaver) mit aller Gewalt, ihren Vater zum Date mit einer gewissen Bonnie zu bewegen. Das ist gar nicht so einfach, denn Gustin findet, Bonnie ist so dick, dass sie "wahrscheinlich eine eigene Postleitzahl hat". Zephyrs fürsorgliche Partnersuche für den Vater ist nicht ganz uneigennützig, ist sie doch der Meinung, sowohl sie als auch ihr Vater seien nun in einem Alter, in dem ein bisschen mehr Selbständigkeit angesagt wäre. Deswegen will sie noch am selben Abend zu einer langen Reise aufbrechen - nach Mexiko. Wie sich ihre "Rückkehr" gestalten wird, ist ja bereits bekannt. "Küss mich, als ob wir glücklich wären", sagt Loretta einmal zu Gustin. Der versteht das nicht. Erst am Ende seines Lebens wird er wissen: "Für Tränen gibt es kein Ende."

In der steril gehaltenen Bühne (Sarah Sassen), die einzig von hinter Folie eingesperrten Pflanzen belebt wird, inszeniert Sara Abbasi dieses geschickt konstruierte Kammerspiel sehr intim, manchmal erscheinen Schattengeister. Den drei Gustin-Darstellern gelingt eine überzeugende Entwicklung vom hoffnungsfrohen Jungen über den aggressiv-bitter-sarkastischen Midlife-Krisler zum gebrechlichen Alten mit dem Rollator-Humor. Nach 75 Minuten endet das Stück zwar recht abrupt, hat aber bis dahin sowohl berührt, als auch mit trockenem Humor unterhalten.