Wie kann man sich das vorstellen?

Es gibt eine gläserne Raumbühne mit mehreren Zimmern, die zugleich bespielt werden. Der Zuschauer kann sich entscheiden, welches Zimmer er beobachten, auf welche Vorgänge er sich konzentrieren will.

Regisseur Stone ist dafür bekannt, dass er historische Vorlagen präzise in die Gegenwart zu verschieben vermag, sodass Figuren aus dem vorigen Jahrhundert wie Zeitgenossen erscheinen.

Ja, das kann er wie kaum ein anderer.

Wie erleben Sie diesen Vorgang während den Proben?

Ich habe selten jemanden getroffen, der Menschen so genau erfassen kann wie Simon Stone. Autoren wie Ibsen, Tschechow, in unserem Fall Strindberg, haben ihre Geschichten innerhalb ihrer damaligen Realität verfasst. Die Konstellationen, Sehnsüchte, Probleme und Ängste, die sie beschreiben, haben die Jahrzehnte überdauert. Simon Stone hebt nun die Figuren mit all ihren Sorgen und Nöten in unsere Zeit. Dabei strebt er keine zwanghafte Modernisierung an, die Figuren werden bei ihm nicht dadurch modern, dass sie beispielsweise ein Handy auf der Bühne bedienen, sondern ihm gelingt vielmehr eine tief empfundene Anbindung an die Gegenwart. Um dafür den richtigen Ton zu treffen, fertigt er die eigene Fassung an und greift eben nicht auf alte Übersetzungen zurück.

Am Wiener Schauspielhaus haben Sie vornehmlich zeitgenössische Stücke gespielt. Klassiker oder Gegenwartsdrama - unterscheidet sich die Arbeitsweise für Sie?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Es gibt auch Gegenwartsstücke, die mit Dialogen und Szenenabfolgen arbeiten. Bei der Umsetzung von Textflächen ist man als Schauspieler auch gefordert, dramaturgisch mitzudenken. Das Besondere an Uraufführungen ist, mit dem Autor direkt sprechen und arbeiten zu können. Eine interessante Erfahrung.

Sie treten zum ersten Mal im Wiener Akademietheater auf, der Wirkungsstätte Ihrer Eltern. Was bedeutet Ihnen das?

Seit jeher war das Akademietheater mein Lieblingstheater in Wien. Es freut mich ungemein, hier spielen zu können. Mein Vater ist sowieso für mich anwesend, egal wo ich bin.

Wie haben Sie als Kind das Theaterleben Ihrer Eltern mitbekommen?

Ich bin überhaupt nicht im Theater großgeworden, war nicht von klein auf in Garderoben oder Kantinen. Ich hatte einen eher unromantischen Blick auf den Beruf meiner Eltern. Theater, das war erst mal nur ein anderes Wort für Arbeiten.