Headbanging, um ihren Körper erzittern zu lassen. - © U. A. Reiterer
Headbanging, um ihren Körper erzittern zu lassen. - © U. A. Reiterer

Wien. Ausverkauft! Selten zuvor war die Halle G des Wiener Tanzquartiers so beliebt wie am Donnerstagabend. Freilich wurde Doris Uhlich in den letzten Jahren immer mehr zum Publikumsmagneten: Die heimische Choreografin und Tanzpädagogin wurde schon mehrfach ausgezeichnet - unter anderem erhielt sie für "Ravemaschine" im letzten Jahr den Nestroy-Spezialpreis.

Aber das außergewöhnlich vermehrte Interesse lag vermutlich auch an der Wiedereröffnung des Tanzquartiers nach längerem Umbau und unter neuer Leitung: Bettina Kogler startete ihre künstlerische Intendanz mit einem drei Tage dauernden Festival. Kogler versteht ihre Eröffnung als "Statement für Inklusion und gegen Ausgrenzung in politisch schwierigen Zeiten". Zu diesem Zweck entwickelt Uhlich ihr Erfolgsstück "Ravemaschine" zum Ensemblestück "Every Body Electric" weiter. Nun sind es neun Darsteller mit Behinderung (Erwin Aljukic, Yanel Barbeito, Adil Embaby, Sandra Mader, Karin Ofenbeck, Thomas Richter, Vera Rosner, Danijel Sesar und Katharina Zabransky), die ihre Körper zu wummernden Beats (Sound: Boris Kopeining) zum Erzittern bringen: Eine Rollstuhlfahrerin schmeißt ihren Kopf à la Headbanging vorn über, eine andere wippt in ihrem Hightech-Stuhl mit den Füßen. Vor Nacktheit haben sie keine Scheu, sie heben sich aus dem Rollstuhl auf den Boden, das Muskelspiel lässt ihr Fleisch tanzen. So beginnt eine Ära, die den Zuschauer nötigt, eigene ästhetische Positionen - vielleicht - neu zu definieren.

Weiter ging der Eröffnungsreigen noch mit Julius Deutschbauer ("Ab jetzt reibt sich das TQW seinen Kren wieder selbst") und seinem Würstl-Buffet vor den Studios und Andrea Maurers "We don’t think enough about staircases", indem das Stiegenhaus mit Satzzeichen beschmückt wurde, um dem Titel der Performance gerecht zu werden. Im regulären Spielbetrieb, der im Februar startet, wird der groteske Körper im Mittelpunkt stehen.