Dämonische Präsenz: Erwin Schrott. - © Staatsoper/Michael Pöhn
Dämonische Präsenz: Erwin Schrott. - © Staatsoper/Michael Pöhn

"Nun sag, wie hast du’s mit der Inszenierung? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon." In etwas so müsste die Gretchenfrage in Bezug auf die mittlerweile 28. Aufführung von Gounods "Faust" - in der Regie nach einer Idee von Nicolas Joel und Stéphane Roche - an der Staatsoper lauten. Wer sich mit einer halbkonzertanten Aufführung in einem stimmigen Bühnenbild zufriedengab, erlebte allerdings einen durchaus spannenden Abend.

Allen voran glänzte Markus Eiche als Valentin, dessen fein geführter, unforcierter Bariton in der Höhe geradezu tenoralen Glanz versprühte. Glanz, der Jean-François Borras in der Titelrolle zumeist fehlte. Zwar mühelos in den Spitzentönen, erschien er erstaunlich kurzatmig und war hinter dem Orchester meist nur zu erahnen. So konnte er Mandy Fredrich, die die Rolle der Marguerite mit ihrem lyrischen, aus einer vollen Mittellage schöpfenden Sopran von jugendlicher Verliebtheit bis zur Verzweiflung auslotete, leider nur als Statist dienen. Man hätte sich fast gewünscht, dass Fausts Widerpart, der von Rachel Frenkel charaktervoll und mit farbenreichem Mezzo verkörperter Siébel, am Ende die Oberhand gewinnt. Doch es ging ja mit dem Teufel zu: Erwin Schrott stolzierte als Méphistophélès lasziv-lässig über die Bühne und zeichnete mit großer Präsenz ein spannendes Rollenbild, hatte in stimmlicher Hinsicht aber meist nicht mehr hinzuzufügen als seine enorme Lautstärke.

Die musikalischen Feinheiten des Abends überließ er dem spielfreudigen Staatsopernorchester. Dirigent Frédéric Chaslin führte die Musiker mit klaren, bestimmenden Gesten, ließ kammermusikalische Momente entstehen, formte aber auch einen beeindruckend kraftvollen Tuttiklang. Mit packender Hingabe gelang dem Franzosen ein wahres musikalisches Glanzstück. Chapeau!