• vom 05.02.2018, 13:20 Uhr

Bühne

Update: 07.02.2018, 16:32 Uhr

Opernkritik

Neuer Wein in bewährten Schläuchen




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Von Andreas Meier

  • "Der Barbier von Sevilla", geschmackvoll besetzt, an der Wiener Staatsoper.

Ein gewinnender Spielmacher: Adrian Eröd.

Ein gewinnender Spielmacher: Adrian Eröd.© Staatsoper/Pöhn Ein gewinnender Spielmacher: Adrian Eröd.© Staatsoper/Pöhn

Die 419. Aufführung von Rossinis "Barbier von Sevilla" nach der Regie von Günther Rennert an der Wiener Staatsoper: 419 Mal dieselbe Hausfassade. 419 Mal dieselben Kostüme. 419 Mal "Figaro, Figaro, Figaro!". Der Vorhang hebt sich, und schnell ist man alle Vorurteile und Befürchtungen los: Diese Inszenierung ist wie guter Wein: ein mit den Jahren immer schmackhafter werdender, augenzwinkernder Anachronismus.

Und auch musikalisch waren einige edle Tropfen dabei. Margarita Gritskova als kokett verspielte Rosina überzeugte mit stimmlicher Flexibilität und ihrem profunden, von warmen Vokalfarben getragenen Timbre. Pavel Kolgatin brachte zwar einen eher blassen Grafen Almaviva auf die Bühne, mit leichtem, lyrischem Tenor konnte er jedoch in den liedhaften Momenten mit feinem Mezza-Voce glänzen. Wolfgang Bankl als agiler und stimmlich facettenreicher Bartolo und Sorin Coliban als ebenso volltöniger wie zuweilen eintöniger Basilio trieben die Wirren der "Commedia" mit großer Spielfreude auf die Spitze. Lydia Rathkolb als Marzellina, Manuel Walser (Fiorello) und Daniel Lökös (Offizier) wussten in den Nebenrollen zu überzeugen. Ach, und dann war ja noch Figaro: Adrian Eröd gestaltete die Rolle des Barbiers mit kunstvoller Vielseitigkeit, kräftigen Spitzentönen und facettenreichen Stimmfarben hinterlistig, komödiantisch, dabei nie klamaukhaft und stahl seinen Bühnenkollegen charmant die Show.

Information

Oper
Il barbiere di Siviglia
Wh.: 11. Februar

Bitterer Nebengeschmack

Leider gelang die Abstimmung mit Dirigent Jean-Christophe Spinosi, der vor allem im ersten Akt vergeblich den Zugang zu seinen Sängern suchte, nicht immer optimal. Trotz seines klaren, distinkten Dirigats schlichen sich auch im Orchestergraben zahlreiche Ungenauigkeiten und unangenehm verstolperte Auftakte ein. Doch auch wenn dieser alte Rossini-Wein dadurch einen etwas bitteren Nebengeschmack bekam, wird man ihn gern noch ein 420. Mal trinken.





Schlagwörter

Opernkritik, Staatsoper

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-05 13:17:20
Letzte Änderung am 2018-02-07 16:32:45


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