Omar Sarsam – im Hauptberuf Kinderchirurg in Wien – hat in seinem neuen Kabarettprogramm mit den Nebenwirkungen einer Routineuntersuchung zu kämpfen. Nach einem Gehirncheck ist der fast vollständige Gedächtnisverlust das Schlimmste für ihn. Doch glücklicherweise gibt es ein Gedächtnisprotokoll, das ihm bei der Wiederherstellung helfen soll.

Das Ganze klingt nicht nur, sondern ist auch ziemlich absurd. Doch wer Sarsam kennt, weiß: Dieser Mann blödelt auf der Bühne und nimmt sich selbst nicht allzu ernst. So auch in seinem aktuellen Programm "Herzalarm". Und während seiner zerebralen Reanimation richtet er den Lichtkegel auf die arabische Kultur, in der er seine Wurzeln hat. Hier macht er sich seinen eigenen Migrationshintergrund zunutze und kokettiert mit Dialekt und Eigenheiten – weder provozierend noch belehrend. So erinnert sich Sarsam zum Beispiel an ein Erlebnis mit einer speziellen Sprengstoffkontrolle (Explosive Trace Detection, ETD) auf dem Flughafen. Eine Situation, die er mit Schmäh entschärft.

Mit Witz, Keyboard, Gitarre, Gesang und Loop-Box testet er dann auch das Balzverhalten seines Publikums, das ihn mittlerweile integriert hat. Und vorbildlich integriert, steht es ihm auch zu, über die Ausländer zu schimpfen. Mit einem Augen zwinkernd meint er dann etwa: "Sie essen Döner und Dürum und fahren in die Türkei auf Urlaub – die Deutschen." Zum Drüberstreuen gibt es dann noch "frei erfundene Geschichten aus der Ambulanz", nach dem Motto: "Diagnose: Linker Kopf tut weh . . ."

Das Programm ist kein Garant für Kabarettpreise, und wie schon sein vergangenes Solo ("Diagnose: Arzt") ist auch "Herzalarm" frei von politischer und gesellschaftlicher Kritik mit Tragweite. Vielmehr überzeugt der Kinderchirurg mit Grimassen, Schmäh und seiner Fröhlichkeit, mit der er das Publikum ansteckt und dessen Herzen für sich gewinnt. Am Ende ist man zwar nicht gescheiter, aber in jedem Fall ein bisschen glücklicher.