• vom 16.02.2018, 17:09 Uhr

Bühne


Porträt

Mit dem Walzer um die Welt




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Von Christoph Irrgeher

  • Eben noch in Tokio, leitet Alfred Eschwé an der Volksoper den "Opernball".


© Christoph Liebentritt © Christoph Liebentritt

Wien. Das neue Jahr hat gut für ihn begonnen. Zwei Wochen lang hat Alfred Eschwé seinen Taktstock in Tokio geschwungen, und wenn er darüber redet, wirkt Japan wie das gelobte Land der klassischen Musik. Es ist dies jedenfalls ein Land, das die Klangbotschafter eines fernen Operettenreichs liebt: Eschwé hat in Tokio die "Fledermaus" dirigiert, und er ist dort nicht nur von Strauß-Schwärmern und Autogrammjägern hofiert worden.

Das New National Theatre, sagt der Wiener, trage seine Gastkünstler auf Händen: "Die Japaner sind Weltmeister im Organisieren. Eine Viertelstunde vor der Aufführung klopft ein Mann an die Garderobentür und holt sich die Partitur; drei Minuten vor Beginn fragt mich ein weiterer, ob ich bereit bin, und eskortiert mich zum Orchestergraben, dort übernimmt mich ein anderer. Und das alles mit japanischer Höflich- und Freundlichkeit. Ich bin sehr gern dort."


Mit dieser Vorliebe ist Eschwé in Wien nicht allein: Die Opernhäuser der Stadt rücken regelmäßig mit Sack und Requisiten-Pack zu Tourneen nach Asien aus. Diesmal war Eschwé, hauptberuflich an der Volksoper tätig, nicht als Teil einer solchen Tour dort: Er ist als Gastkünstler gebucht worden. Der einzige Österreicher war er in dieser Fernost-"Fledermaus" aber nicht: "Adrian Eröd war jetzt schon zum dritten Mal als Eisenstein in Japan. Er spricht sehr gut Japanisch und schmückt den Text immer wieder mit neuen Floskeln in der Landessprache aus."

150 Mal "Gräfin Mariza" mit Marika Rökk am Stück
Auch Eschwé ist in Japan kein Unbekannter. In den 90ern machte er mit dem Wiener Johann-Strauß-Orchester dort allwinterlich Station; mittlerweile beehrt er das Land alle paar Jahre, weiterhin als Fachmann für die Leichte Muse. Ein Ruf, der Segen und Fluch ist: Alfred Eschwé will sich nicht so ganz ins Operettenfach sperren lassen - und hat recht damit, denn er hat auch etliche Opern dirigiert. Andererseits gilt der 68-Jährige nicht umsonst als Walzer-Zampano. Eschwé hat sein Dirigier-Studium mit den "G’schichten aus dem Wienerwald" abgeschlossen, hat danach europaweit Operettenroutine gesammelt.

Wie kam es zu der Spezialisierung? Absicht, Zufall? Eschwé: "Es hatte einfache Gründe. Ich habe mein Studium als Geiger im Kurorchester Baden mitfinanziert, und ich bin sehr jung Vater geworden - noch bevor ich mit der Universität fertig war. Als ich 25 wurde, ist in Baden eine Dirigenten-Stelle frei geworden, die ich übernahm." Und es ging weiter auf dem Walzer-Gleis: "Ein Jahr später wechselte ich ans Raimundtheater. Dort gab es damals zum Beispiel 150 Mal ‚Gräfin Mariza‘ mit Marika Rökk am Stück! Nach vier Jahren war mir das zu langweilig, ich ging nach Deutschland."

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Dokument erstellt am 2018-02-16 17:14:28


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