In Zeiten wie diesen kann eine Portion Sibylle Berg nur guttun. Die deutsche Autorin ist beliebt wie nie, weil sie mit unerbittlichem Humor genüsslich in die wunden Stellen der Gegenwart hineinbeißt. Wie als Kommentar zu aktuellen Sexismusdebatten hat die Regisseurin Julia Burger (Verein reschen.see) einen älteren Text Bergs (2010) zur österreichischen Erstaufführung im Werk X ausgegraben.

Vorbild für die Monologsammlung "Missionen der Schönheit - Holofernesmomente" ist die selbstbewusste Enthaupterin Judit aus der Bibel. Beiläufig erwähnen denn auch einige der acht Judits im Alter von 12 bis 75 in den Kurzabrissen ihrer Biografien aufgeschnittene Männerkehlen oder in den Keller verfrachtete Familien. Auch so geht "Time’s up!"

Anna Kramer und Paola Aguilera teilen sich die acht Frauen auf. Kostümteile anprobierend, waten sie durch ein zum Schlachtfeld gewordenes Bildhaueratelier (Bühne: Matthias Krische) mit verstreuten Extremitäten aus Gips und erinnern sich, eher sardonisch als wütend, an eigene Misshandlungen oder Vernachlässigung. Ohne den subtilen Humor der Vorlage kabarettistisch auszuschlachten, sammeln sie Publikumssympathien, Aguilera lebhafter, Kramer abgebrüht phlegmatisch.

Dennoch gelingt es nicht zu verschleiern, dass der Text zwar bösen Biss, aber wenig dramatisches Potenzial hat. Judit Nr. 6 könnte die Mutter von Nr. 1 sein, sonst fügen sich die acht Teile nicht in ein befriedigendes Ganzes. Nach nur 50 Minuten wird man entlassen, hungrig nach einer weiteren Berg-Portion.

Theater

Missionen der Schönheit - Holofernsesmomente

Werk X, Wh.: 21., 23., 24., 27. Feb.