Ferdinand Schmalz im Interview mit der Wiener Zeitung. - © Foto: Newald
Ferdinand Schmalz im Interview mit der Wiener Zeitung. - © Foto: Newald

Ferdinand Schmalz, alias Matthias Schweiger, wuchs im steirischen Admont auf. Längst gehört der 33-Jährige zu den bemerkenswertesten Dramatikern seiner Generation. 2017 gewann er den Ingeborg-Bachmann-Preis.

Diesen Freitag wird seine "Jedermann"-Bearbeitung am Burgtheater uraufgeführt. Die "Wiener Zeitung" sprach mit dem Autor von "jedermann (stirbt)" über - natürlich Tod und Leben.

"Wiener Zeitung": Hofmannsthals "Jedermann" zählt zur DNA der Salzburger Festspiele. Haben Sie sich in Ihrer Neuinterpretation "jedermann (stirbt)" mit der Aufführungstradition auseinandergesetzt?

Ferdinand Schmalz:Ich war auf dem Domplatz, habe auch einige Aufzeichnungen gesehen. Das ganze Unternehmen hat etwas von einer Stierkampfarena: Ein Schauspieler unterhält tausende Zuschauer. Als Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann mir vor mehr als zwei Jahren den Vorschlag unterbreitete, den "Jedermann" zu bearbeiten, musste ich zuerst schlucken. Das Stück ist wie ein Nationalheiligtum. Zwei Beweggründe waren schließlich ausschlaggebend, dass ich es doch machen wollte.

Und zwar welche?

Im Sommer 2015 fand wie jedes Jahr das Wiener Donauinselfest statt, bei dem Millionen Leute drei Tage lang gratis bespaßt wurden, während zugleich die ersten Flüchtlinge via Balkanroute an unsere Grenzen gelangten. Damals hieß es, wir hätten nicht die Ressourcen, um diese Menschen - es waren damals noch wenige hundert - unterzubringen. Da das opulente Fest, für das nichts zu kostspielig ist, dort die Flüchtlinge, für die man nichts übrig hat. Daraus entwickelte sich die zündende Idee: Wann kippt ein Fest? Wenn Figuren auftauchen, die nicht eingeladen sind.

Der Ursprung des Stücks liegt in Moralitätenspielen des 15. Jahrhunderts. In der Vorlage geht es um die Anleitung für ein gottesfürchtiges Leben. Worum geht es bei Ihnen?

Für mich lautet die zentrale Frage, welche Erkenntnis im Todesmoment liegt. Kann man, wenn man am Ende seines Lebens zurückblickt, etwas verändern? Lässt sich selbst ein falsch gelebtes Leben in allerletzter Sekunde entschulden?

Bei Hofmannsthal spielt die Religion eine tragende Rolle. Teufel und Engel treten bei Ihnen nicht mehr auf, die allegorische Figur "Glaube" wird gestrichen. Welche Bedeutung bleibt da der Konfession?

Ich wollte mich von der institutionalisierten Religion wegbewegen, der Frage nachgehen, wie das Stück im profanen und säkularen Umfeld funktioniert. Deshalb habe ich das Personal um jene Figuren eingekürzt, die es unbedingt braucht, um die Fabel zu erzählen.