• vom 26.02.2018, 07:37 Uhr

Bühne

Update: 26.02.2018, 08:01 Uhr

Kabarett

Bitterböse Satire mit Babyface-Bonus




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Von Mathias Ziegler

  • Bei Christoph Fritz' Solodebüt "Das jüngste Gesicht" bleibt seinem Publikum nicht nur einmal das Lachen im Hals stecken.

Der junge Mann mit der etwas zittrigen Stimme wirkt sehr schüchtern - aber womöglich ist das alles nur Show. Christoph Fritz hat es jedenfalls faustdick hinter den Ohren. - © Moritz Ziegler

Der junge Mann mit der etwas zittrigen Stimme wirkt sehr schüchtern - aber womöglich ist das alles nur Show. Christoph Fritz hat es jedenfalls faustdick hinter den Ohren. © Moritz Ziegler

Zwei Dinge braucht ein angehender Kabarettist oder Standup-Komiker vor allem: Gute Ideen für Pointen und den entsprechenden Mut, sie auf der Bühne zu präsentieren. Beides hat Christoph Fritz. Der 23-Jährige, der (nicht nur laut Eigendefinition) aussieht, als wäre er maximal halb so alt, stellt sich nämlich völlig unbefangen (wenn auch noch immer etwas nervös wirkend, aber die Routine wird nicht kommen) vor sein Publikum und drischt ihm eine Wuchtel nach der anderen um die Ohren, eine schwärzer als die andere.

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Christoph Fritz:
Das jüngste Gesicht

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Es ist wohl genau dieser Widerspruch zwischen Optik und Inhalt, der an dem Nachwuchskünstler, der vor genau einem Jahr die Ennser Kleinkunstkartoffel gewonnen hat, so fasziniert. Und mehr als einmal denkt man sich zwar kurz: "Echt jetzt?" Doch der verbale Ausrutscher (mit Anlauf und vermutlich genau kalkuliert) ist dem Babyface rasch verziehen, weil man merkt, welche diebische Freude es Fritz macht, die Grenzen des guten Geschmacks auszuloten. Und weil auch immer genügend Selbstironie mit dabei ist. Immer wieder setzt er einen Fuß zumindest auf den Grenzstein - den Sprung darüber hinweg mutet er seinem Publikum dann aber doch nicht zu. Auch so ist es unterhaltsam genug und lässt gleichzeitig immer wieder überlegen, ob man da jetzt überhaupt lachen darf. Nicht nur einmal bleibt dieses Lachen dann tatsächlich im Hals stecken.

Politische Korrektheit? Pfeif drauf! Respekt vor Themen wie Religion, Flucht, Suizid oder Pädophilie? Sicher nicht! Kein Sumpf ist Fritz zu matschig und grindig, um nicht zumindest ein paar Schritte hineinzuwaten - und gerade, wenn man glaubt, jetzt versinkt er doch darin, dreht er rechtzeitig wieder um und hüpft schnell zurück ins sichere trockene Gras - nur um dort beim Weiterziehen verbrannte Erde zurückzulassen.

Man darf gespannt sein, was da noch alles kommen wird, wenn Fritz sich die Hörner ein bisschen abgestoßen und seine Bühnenpräsenz ausgebaut hat. Aber vielleicht hat er das auch schon. Vielleicht sind diese etwas zittrige Stime und diese eher schüchtern wirkende Körperhaltung gar nicht echt, sondern ebenso Teil der Show wie die schwarze Nerdbrille, um den Babyface-Bonus zu behalten. Auch das wäre diesem Kabarettisten zuzutrauen.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-26 07:53:09
Letzte Änderung am 2018-02-26 08:01:53


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