"Verstehen Sie den Dschihadismus in acht Schritten (Zucken)" - der Titel von Sasha Marianna Salzmanns Stück klingt nach Polit-Crashkurs. Am Hamakom-Theater offenbart Jana Vetten in ihrer österreichischen Erstaufführung, dass der aufklärerische Anspruch doch etwas hoch greift: Was lässt sich schon wirklich verstehen? Das "Zucken" dagegen ist ein Zustand der Welt zwischen Gleichgültigkeit und Nervosität, den die von der russisch-deutschen Autorin entfalteten Geschichten glaubwürdig wiedergeben. Da bandelt eine Jugendliche (Johanna Wolff) online mit einem Gotteskrieger an, ein Werbefuzzi (Robert Huschenbett) tickt vor lauter Wohlstand aus, einen Studenten (Bastian Parpan) verwirrt, ob er Ukrainer oder Russe, schwul oder hetero sein soll.

Konzentriert arbeitet sich das Ensemble - neben den Genannten Ingrid Lang - durch die frische, unverkrampfte Sprache von Erzähl- und Dialogtexten bis zur erwartbaren Eskalation, begleitet vom mitreißenden Elektro-Soundtrack Philipp Pettauers. Die Regie und Ausstatter Julian Vogel finden spärliche, doch unverbrauchte Bilder. Selbst einem Whatsapp-Chat vermögen sie mit einfachsten Mitteln Sinnlichkeit abzugewinnen: Während eine Handkamera ihr Gegenüber "spielt" und stimmungsvoll von einer auf Stoff gedruckten Antwort zur nächsten schwenkt, legt Wolff handbeschriebene Zettel auf einen Overheadprojektor und beugt über diesen ihr Gesicht, das dabei wirkt, wie in ein magisches Aquarium getaucht. In diesen Momenten wird die perverse Romantik des Dschihad-Versprechens dann doch seltsam verständlich.

Theater

Verstehen Sie den Dschihadismus in acht Schritten (Zucken)

Theater Nestroyhof Hamakom,

Wh.: bis 24. März