Wien. (eb) Ein bitterer Schlag für Staatsoperndirektor Dominique Meyer: Er muss die Uraufführung der Oper "Phädra" absagen. Der polnische Starkomponist Krzysztof Penderecki (84) hat wegen "widriger Umstände" um Entbindung von der Vereinbarung für das Auftragswerk gebeten. Die Oper hätte in der kommenden Spielzeit uraufgeführt werden sollen und war als wesentlich für das Bemühen der Wiener Staatsoper um das zeitgenössische Musiktheater präsentiert worden.

Noch im Jahr 2016 zeigte sich Penderecki im Interview mit der "Kleinen Zeitung" optimistisch. "Ich habe Skizzen und gehe das Ganze sehr engagiert an. Ich werde im Dezember allmählich anfangen, die Partitur zu schreiben. Und das dauert vielleicht ein Jahr", sagte Penderecki. Er plane eine zweistündige pausenlose Oper. Den Text habe er selbst verfasst auf der Basis von Jean Racines Drama, dem er für die Chöre Passagen der "Phädra"-Dramen von Euripides und Seneca hinzugefügt habe. Stilistisch werde "Phädra" seiner ersten Oper, "Die Teufel von Loudun", "verbunden" sein.

Die nunmehrige Absage kommt zu kurzfristig, um einen anderen Komponisten mit einer abendfüllenden Oper beauftragen zu können. Daher setzt Dominique Meyer statt "Phaedra" die 2011 in Amsterdam uraufgeführte Oper "Orest" von Manfred Trojahn als Erstaufführung auf den Spielplan.