• vom 09.03.2018, 16:45 Uhr

Bühne

Update: 09.03.2018, 16:53 Uhr

Interview

"Männern geht der Arsch auf Grundeis"




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Von Petra Paterno

  • Regisseurin Sabine Derflinger über Armut, was sich im ORF ändern sollte und was an der Metoo-Debatte dran ist.



"Ich bin ein Faktotum", sagt Sabine Derflinger.

"Ich bin ein Faktotum", sagt Sabine Derflinger.© apa/Helmut Fohringer "Ich bin ein Faktotum", sagt Sabine Derflinger.© apa/Helmut Fohringer

Sabine Derflinger ist eine der vielseitigsten Regisseurinnen der heimischen Filmwelt. Das Werk der 55-Jährigen reicht von Dokumentar- über Spielfilme (zuletzt: "Anna Fucking Molnar") bis hin zu Fernsehproduktionen (etwa "Vorstadtweiber"). Mit der "Wiener Zeitung" sprach die Oberösterreicherin über ihre erste Theaterinszenierung.

"Wiener Zeitung": Johan Nestroys "Der Zerrissene" ist Ihr erstes Bühnenstück. Wie unterscheidet sich die Arbeit am Theater vom Film?

Information

Der Zerrissene
Landestheater Niederösterreich
Premiere: Sa., 17. März, 19.30 Uhr

Sabine Derflinger: Man bereitet ein Stück in einem Zug vor, kann länger mit den Schauspielern arbeiten, auch die Rezeption ist völlig anders: Auf der Bühne habe ich immer die Totale und es gibt ein unmittelbares Erleben. Beim Film habe ich durch Kameraführung und Schnitt völlige Kontrolle, beim Theater ermächtigt man die Schauspieler, das gemeinsam Entwickelte eigenständig zu wiederholen.

Ist es schwer, Kontrolle abzugeben?

Es fällt mir nicht leicht, aber es ist spannend, mich aus meiner Komfortzone herauszubewegen.

"Armut ist ohne Zweifel das Schrecklichste, mir dürft’ einer zehn Millionen hinlegen und sagen, ich soll arm sein dafür, ich nehmet’s nicht", heißt es im "Zerrissenen". Was sagt das Stück über Armut und Reichtum aus?

Diesen Satz würde ich sofort unterschreiben. Auch wenn Geld allein nicht glücklich macht, ist arm sein schrecklich. Sicher leben wir heute in einer anderen Welt als Nestroy. Wenn Herr von Lips sagt, er habe 14 Anzüge, kippt heute niemand mehr vom Stuhl. Das hat bald jemand, ohne dass er sich gleich als besonders wohlhabend bezeichnen würde. Global gesehen bedeutet arm sein in der westlichen Hemisphäre etwas ganz anderes, als arm sein im weitaus größeren Teil der Welt. Armut und Reichtum sind nicht weniger ungleich verteilt als zu Nestroys Lebzeiten.

Bei Nestroy fällt es meist schwer, eine Balance zwischen humorvollem und politischem Zugang zu finden. Wie nähern Sie sich dem Werk an?

Tendenziell habe ich mich eher für die lustige Variante entschieden. Ganz im Sinne Nestroys, er musste auf die Quote achten, auch wenn ihn zeitgenössischen Kritiker dafür verspottet haben.

Quote ist ein Stichwort für die ORF-Serie "Vorstadtweiber", die Sie mit Harald Sicheritz maßgeblich geprägt haben. Die Serie gilt als eine der erfolgreichsten ORF-Produktionen. Was gefällt Ihnen daran?

Ich schätze den Humor, die Beziehungskonstellationen, die Situationskomik und das Spiel mit den Klischees. Mir hat die Serie irrsinnig Spaß gemacht.




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Schlagwörter

Interview, Sabine Derflinger

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-09 16:50:45
Letzte Änderung am 2018-03-09 16:53:56


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