Das Schmürz wird bei Bedarf misshandelt: Ein rätselhaftes Stück von Boris Vian. - © Bettina Frenzel
Das Schmürz wird bei Bedarf misshandelt: Ein rätselhaftes Stück von Boris Vian. - © Bettina Frenzel

Menschen auf der Flucht vor einem seltsamen Geräusch wechseln immer wieder die Wohnung: ein Paar mit Tochter und Dienstmädchen, ein Nachbar und - als ständiger Begleiter - das Schmürz, ein elendes, in Verbände gehülltes Wesen, das bei Bedarf misshandelt und gequält wird. Die Wohnräume und die auftretenden Personen werden immer weniger, zugleich geht es im Gebäude aufwärts, bis das Dachfenster den letzten Ausweg bietet. In der Wiener Scala liefert das 1959 - ein halbes Jahr nach dem Tod des Autors - uraufgeführte Stück "Die Reichsgründer oder Das Schmürz" von Boris Vian dem Publikum viel Stoff zum Rätseln und Nachdenken.

Auf Vians Drama trifft der vom britischen Theaterexperten Martin Esslin geprägte Begriff "Theater des Absurden" absolut zu. Orientierungslos sind die Menschen, sinnentleert die Zustände, die auf groteske, überspitzte Art auf die Bühne gebracht werden - der Verlust von Erinnerungen, Zeitgefühl und Beziehungen, Ängste und Fluchtgedanken, die Hinwendung zur Gewalt, die hier am Schmürz ausgelassen wird, und zum Krieg, den der Militärdienstverweigerer Vian verabscheute.

Regisseurin Babett Arens serviert die keineswegs leicht verdauliche Kost spannend bis zum Schluss. Ohne Pause oder irgendeinen Leerlauf zieht die Vorstellung das Publikum auf der von Martin Gesslbauer und Marcus Ganser eingerichteten, die "Schräge" des Stücks perfekt illustrierenden Bühne in ihren Bann. Rüdiger Hentzschel (Vater), Monica Anna Cammerlander (Mutter), Lisa Wentz (Tochter), Lana Francis (Dienstmädchen) und Florian Lebek (Nachbar) bilden ein aus-
gezeichnetes Ensemble - mit dem auf Pantomime und Wehlaute
beschränkten Kari Rakkola (Schmürz) als Highlight.