Kramar als Cohen. - © Pertramer
Kramar als Cohen. - © Pertramer

Auf der Bühne spricht Hubsi Kramar zwar gleich eingangs von einem Auftritt am "Seil ohne Netz" - immerhin musste der Schauspieler und Aktionist seinen 70. Geburtstag im kommenden Juni als Anlassfall abwarten, um erstmals in seiner Karriere auch einen Abend als deklarierter (Nicht-)Sänger zu bestreiten.

Mit Selbstironie

Dafür aber hat er sich dankenswerter- wie gleichzeitig undankbarerweise nur halt ausgerechnet eine Gedächtnisgala für den großen kanadischen Songwriter und Poeten Leonard Cohen ausgesucht. Der behauptete bekanntlich auch von sich selbst, nicht singen zu können, fuhr einem auf Basis von jeher ans Existenzielle gehender Songs aber trotzdem bereits mit seinem dunklen Stimmcharisma in die Knochen. Technik wird neben Perfektion sowieso überschätzt. Nehmen wir das als gutes Zeichen für den heutigen Abend.

Hubsi Kramar ist (wie wir im Publikum) anlässlich der Premiere von "Dance Me To The End Of Love. Die Hubsi Kramar / Leonard Cohen Gala" am Dienstag im Wiener Rabenhof Theater also hörbar vom ersten Ton an sehr mutig. Ein lebenslanges Dasein als Schauspieler hat in Sachen Selbstbewusstsein ja noch selten geschadet. Und während man darüber nachdenkt, dass man Kramar erst im letzten Jahr im Kino bei "Wilde Maus" von Josef Hader in der Rolle des Herrinspektors dabei erleben konnte, wie er einen Musikkritiker für seine gnadenlosen Verrisse anhimmelt, betätigt sich der Mann am Mikrofon bereits auch mit der nötigen Selbstironie hinsichtlich seiner Performance. Ist es außerdem nicht so, dass der frühe Cohen mit ziemlich panischer Versagensangst im Vorfeld allfälliger Konzerte zu kämpfen gehabt hat, während aus Kramar selbst - Zitat - "nichts mehr werden muss"?

Vor der Kulisse eines nostalgischen Lichtbildvortrags mit tatsächlich gut ausgewählten Fotos aus dem Leben Leonard Cohens als jemand, der in dem Ausmaß nie jung war, wie Hubsi Kramar heute nicht alt ist, und Aufnahmen Kramars nicht zuletzt als der Mann, der Adolf Hitler war, erlebt man aber nicht nur einen Liederabend mit Solodarbietungen von und Gemeinschaftsauftritten mit zahlreichen musikalischen Gästen um einen schmachtenden Musenchor, mit dem auch Cohen seine Freude gehabt hätte.

Gut gemeinte Versionen

Man erlebt Hubsi Kramar auch als entweder charmant parlierenden oder den Peter Rapp an einem weiteren hoppertatschigen Tag bei der "Brieflos Show" gebenden Conferencier, der sich so seine Gedanken macht und diese unter besonderer Berücksichtigung von LSD-Trips und Stoffarmut seinerzeit im Jahr 1968 - und überhaupt: freier Liebe! -, Timothy Leary, Sigmund Freud und Bruno Kreisky ohne roten Faden so lange schweifen lässt, bis er am Programm kürzen muss. Das liegt aber auch so und mit einer Spielzeit von knapp drei Stunden inklusive Pause ungefähr im Bereich der letzten Konzerttour, die Leonard Cohen 2013 noch im Alter von 79 Jahren absolvierte.

Abgesehen vielleicht vom Göttersong "Coming Back To You" hat man auf Kosten möglicher Raritäten am Ende vor allem die Klassiker gehört: "So Long, Marianne", "Suzanne", "The Partisan", "Bird On The Wire", "Everybody Knows", "Hallelujah" oder "I’m Your Man" in gut gemeinten Versionen und "The Future" mit Schauspielkollegen Christian Strasser, der gerne Rockstar in Mehrzweckhallen geworden wäre. Wie heißt es hier so schön (und einigermaßen im Kontrast zu Hubsi Kramars scheinbarer aktueller Phase der Altersgelassenheit)? "I’ve seen the future, brother. It is murder!"