Burg-Direktorin Karin Bergmann auf dem Balkon ihres Büros, mit Blick auf den Heldenplatz. "Das gehört zum Eindrücklichsten, was ich in über 20 Jahren am Burgtheater erlebt habe", sagt Bergmann über den Skandal rund um die "Heldenplatz"-Uraufführung 1988. - © Luiza Puiu
Burg-Direktorin Karin Bergmann auf dem Balkon ihres Büros, mit Blick auf den Heldenplatz. "Das gehört zum Eindrücklichsten, was ich in über 20 Jahren am Burgtheater erlebt habe", sagt Bergmann über den Skandal rund um die "Heldenplatz"-Uraufführung 1988. - © Luiza Puiu

2018 ist bekanntlich das Jahr der Jubiläen. Vor 100 Jahren wurde die Erste Republik gegründet, vor 80 Jahren fand der "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland statt - und 1988 kam es zur Uraufführung von Thomas Bernhards "Heldenplatz", dem bisher größten Theaterskandal der Zweiten Republik.

Die "Wiener Zeitung" sprach mit der Zeitzeugin und derzeitigen Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann über die damaligen Ereignisse - und was sich seitdem verändert hat.

"Wiener Zeitung": Die Uraufführung von "Heldenplatz" löste einen beispiellosen Medienskandal aus. Wie haben Sie die Tage und Wochen davor erlebt?

Karin Bergmann: Es war eine Schlacht und als Pressesprecherin stand ich damals im Auge des Taifuns. Niemand von uns hatte es für möglich gehalten, dass die Uraufführung eines renommierten Autors zu einem solchen Skandal mutiert. Ich glaube nicht, dass heutzutage so etwas noch möglich wäre.

Warum?

Ich denke oder hoffe, die Bevölkerung lässt sich heute nicht mehr so instrumentalisieren. Damals war das ein medial gesteuertes Spiel, das hochgekocht wurde, Politiker aller Couleur sind aufgesprungen und haben es noch befeuert.

Vom Bundespräsidenten abwärts zeigte man sich vor der "Heldenplatz"-Uraufführung entrüstet, Rufe nach Zensur wurden laut. Scheinbar genügte das Wort Heldenplatz in Verbindung mit dem Namen Thomas Bernhard, um ärgste Befürchtungen zu wecken. Wie war die Stimmung im Haus?

Wir waren jeden Tag 20 Stunden im Theater. Es gab lange Probenzeiten, wir sprachen bis spät in die Nacht hinein über nichts anderes. Die Nerven lagen blank. Ich war besorgt, ob all jene, die an der Unternehmung involviert gewesen waren, auch die Nerven behielten. Man kann sich nicht vorstellen, welcher Druck auf den Schauspielern lastete. Das war eine Riesenanspannung für uns alle.

Die Premiere war dann ein Riesenerfolg. Es gab einen halbstündigen Applaus, den sogar der damals bereits schwer kranke Thomas Bernhard entgegennahm.

Es war ein Triumph der Kunst über die Krakeeler. Dafür hat sich alles gelohnt. Die Zeit damals gehört mithin zum Eindrücklichsten, was ich in über 20 Jahren am Burgtheater erlebt habe. Wer inzwischen von Thomas Bernhard spricht, landet unweigerlich beim Radau um "Heldenplatz". Der Skandal ist heute Schulstoff.