• vom 09.04.2018, 16:42 Uhr

Bühne

Update: 09.04.2018, 17:00 Uhr

Opernkritik

Im Wagner-Kraftwerk




  • Artikel
  • Lesenswert (17)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christoph Irrgeher

  • Ein Ereignis: "Die Walküre" an der Staatsoper.

Wetzt das Messer: Jongmin Park als Hunding.

Wetzt das Messer: Jongmin Park als Hunding.© Staatsoper/Pöhn Wetzt das Messer: Jongmin Park als Hunding.© Staatsoper/Pöhn

Wer meint, "Der Ring des Nibelungen" brauche singende Kraftlackel auf der Bühne, hat nur zum Teil recht. Zwar stimmt es: Das Riesenorchester Richard Wagners verlangt nach Stimmen von fast panzerbrechender Wucht. Doch sollten die sich auf noch etwas verstehen: eine feine psychologische Klinge. Ein tieferer Blick in die Handlung lehrt: Die wahren Entscheidungsschlachten dieses Opernvierteilers werden nicht mit dem Schwert geschlagen, sondern in langen Zwiegesprächen mit verbalen Waffen - und mit allen Mitteln der Überzeugungskunst. In der "Walküre" fallen die Würfel, wenn sich Wotan und Gattin Fricka zanken - und wenn der Göttervater zuletzt seine Tochter Brünnhilde bestraft. Szenen, die gewissermaßen den Prüfstein jeder Aufführung bilden: Fehlt ihnen die Dringlichkeit, sind sie einfach nur: lang.

Mit Tomasz Konieczny besteht diese Gefahr nicht. Er hat sich die Wotan-Rolle regelrecht einverleibt an der Wiener Staatsoper und das Publikum sich an sein herbes Kolorit gewöhnt. Schon das Schauspiel dieses fallenden Herrschers, bald trotzig, bald taumelnd, zeigt sein Schwanken zwischen Liebe und Machträson. Seine Stimme lotet Extreme aus: Schier ansatzlos springt sie zwischen Deklamation und zänkischem Sprechgesang, zwischen Fortissimo und ersticktem Piano. Auch wenn Konieczny zuletzt an Kraft verliert, sich streckenweise in ein mezza voce rettet: Wie dieser Gott sein Ende ersehnt, darf als Saison-Sternstunde gelten.

Information

Oper

Die Walküre

Wh.: 22. April

Das liegt auch an Dirigent Adam Fischer: Er peitscht das Orchester mitten im ersten Akt jählings zu einer Treibjagd an - und hält an diesem Dräuen und Dröhnen bis zur letzten Note fest. Das drängt Simone Schneider (Sieglinde) und Iréne Theorin (Brünnhilde) zwar fallweise an den Rand ihrer Möglichkeiten, katapultiert Christopher Ventris (Siegmund) und Michaela Schuster (Fricka) aber in Ausnahmebereiche ihrer Intensität, während Jongmin Park (Hunding) mit seinem barschen Bass brilliert. Jubel.





Schlagwörter

Opernkritik, Staatsoper

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-09 16:48:06
Letzte Änderung am 2018-04-09 17:00:08


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Von der sexuellen Befreiung der Frau sind wir weit entfernt"
  2. Der Alb, den man Leben nennt
  3. bowling
  4. "Ich möchte mehrere Leben nebeneinander"
  5. Der große Kämpfer
Meistkommentiert
  1. achtung!
  2. Ode an die Kunstfreiheit
  3. Der große Kämpfer
  4. Aufmüpfig, nicht getröstet!
  5. "Eine große Frau mit Haltung"

Werbung



Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand.

Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen. Eleni Foureira aus Zypern während ihres Probe-Auftritts in Lissabon. 

Fritz G. Mayer, Fritz Wotruba, Kirche zur Hl. Dreifaltigkeit, Außenansicht, Wien 23, 1974–1976. Das Siegerfoto mit dem Titel "Venezuela Krise", es zeigt einen 28-jährigen Mann mit brennendem Oberkörper während heftiger Proteste gegen Präsident Nicolas Maduro in Caracas im Mai 2017. 


Werbung