"Wir sind immer so beispiellos normal", heißt es einmal in Elfriede Jelineks Theaterstück "Raststätte oder sie machens alle", das nun in der Regie von Susanne Lietzow im Meidlinger Werk X zu sehen ist. Der Satz ist paradigmatisch für das 1994 uraufgeführte Stück, in dem die Autorin zwei befreundete Ehepaare in ihrer ganzen erbärmlichen Mittelschichtsnormalität porträtiert. Per Inserat haben sich die Freundinnen "in mittleren Jahren" auf dem Klo einer Raststätte mit "Tieren inmitten ihrer Haare" verabredet.

Der animalische Ehebruch bleibt indes aus, weil ihre Ehemänner heimlich in die Kostüme der bestellten Liebhaber schlüpfen. Jelineks tragikomisches Stück zeigt das Eheleben mit sprachlichem Furor und äußerstem Zynismus als triste Groteske.

Beton und Müll

Bühnenbildner Peter Laher hat eine beeindruckend zugemüllte betongraue Autobahn-Raststätte ins Werk X gebaut. Der erste Auftritt gehört der Musik. Theatermusiker Gilbert Handler intoniert mit Verve herrlich verfremdete Popsongs ("I will always love you") und wird im Lauf der 100-minütigen Vorstellung noch mehrmals in Erscheinung treten. Das Darstellerquartett - Sandra Bra und Isabella Szendzielorz versus Thomas Kamper und Arthur Werner - liefert den Text routiniert ab.

Dabei verheddert sich die Inszenierung zunehmend in plakativem Sexismus, der weiterführende Reflexion vereitelt. Die Leidenschaft macht den Menschen zum Ungeheuer, heißt es, doch davon merkt man an diesem Theaterabend leider kaum etwas.