Lise Lindstrom überzeugt als Turandot. - © Staatsoper/Michael Pöhn
Lise Lindstrom überzeugt als Turandot. - © Staatsoper/Michael Pöhn

Im Prinzip ist es die Heilungsgeschichte einer frigiden Frau, die in Giacomo Puccinis "Turandot" erzählt wird. Da ist die Eiskönigin Turandot, die sich allen Männern verweigert, weil einer Ahnin einst sexuelle Gewalt angetan wurde. Der feurige Eisbrecher Calaf allerdings scheut sich nicht davor, sich den drei Fragen, an denen alle seine Vorgänger gescheitert sind, zu stellen, vermag diese auch zu beantworten und dadurch das Herz der Schönen zu erobern - wenngleich nach viel Widerstand.

Roberto Alagna steht in seinem Rollendebüt als Calaf auf der Bühne und erhält vom Publikum mit Abstand den meisten Zwischenapplaus. Zurecht, wenn es um seinen Gesang geht, rein schauspielerisch mag man ihm den leidenschaftlichen Liebenden nicht so ganz abkaufen. Zu teilnahmslos steht und sitzt er herum, den Mantel lässig über die Schulter gehängt.

Umso energischer tritt Lise Lindstrom als Turandot auf: Mit ihrem schrillen Timbre schreibt sie sich diese Rolle auf Leib und Seele. Die Stimme sitzt vom ersten Ton an genau richtig. Und während sie heute diese Stimme vermutlich nützen würde, um laut #metoo hinauszuschreien, verkörpert sie bei Puccini stimmgewaltig den monströsen Eisberg, der das Leid eher in sich einsperrt, und mit viel Abgeklärtheit einem Mann nach dem anderen den Tod bringt. So ändern sich die Zeiten.

Die Inszenierung von Marco Arturo Marelli bietet einiges fürs Auge - manchmal ist man da sogar überfordert vor lauter Artisten, Pantominen, Clowns und Chorsängern. Zumal bei manchen kleineren Rollen auch der Feinschliff fehlt, vor allem in den Szenen, die sich humorvoll geben wollen.

Erwähnenswert ist noch Aleksandra Kurzak als Liù, die (ebenfalls in einem Rollendebüt) erst noch verhalten, in ihrer Suizidszene dann aber mit viel Leidenschaft berührt. Da wird selbst das Herz einer Frostie-Dame erweicht.