• vom 12.04.2018, 17:03 Uhr

Bühne

Update: 12.04.2018, 17:19 Uhr

Theaterkritik

Stolpern in Stanniol




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Von Christina Böck

  • Artifizieller Slapstick: Peter Shaffers "Komödie im Dunkeln" im Volkstheater.

Die Couch muss weg: Brindsley (Thomas Frank, Mitte) räumt im Schutze der "Dunkelheit" auf. - © www.lupispuma.com/Volkstheater

Die Couch muss weg: Brindsley (Thomas Frank, Mitte) räumt im Schutze der "Dunkelheit" auf. © www.lupispuma.com/Volkstheater

Konfuzius sagt: "Es ist besser, ein Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu schimpfen." Kann man jetzt sagen: Jo eh. Ähnlich verhält es sich aber auch mit Peter Shaffers "Komödie im Dunkeln", beziehungsweise der Idee, auf der sie basiert. Für die Schauspieler auf der Bühne herrscht nämlich (fingierte) Dunkelheit, die zu allerlei turbulenten Slapstickszenen führt. Hell und dunkel werden umgekehrt, wenn es ab und zu kurz in der Bühnenwelt hell wird, wird es daher für den Zuschauer finster. Ein eigentlich simpler, aber effektiver Trick. Man muss nur auf die Idee kommen.

Peter Shaffer kam bereits 1965 auf die Idee. In dieser Epoche belässt der deutsche Regisseur Christian Brey das Stück auch in seiner Inszenierung im Volkstheater, die am Mittwoch Premiere hatte. Zumindest weist die einschlägige Mode (Bühne und Kostüm: Anette Hachmann) darauf hin. Die Handlung nährt sich aus der erwähnten Beleuchtungssituation. Eigentlich hätte der Bildhauer Brindsley Miller (Thomas Frank) einen russischen Mäzen (Mario Schober) eingeladen, der ihm eine Skulptur teuer abkaufen soll. Seine Verlobte Carol (Nadine Quittner) hat dazu ihren Vater eingeladen, um den ehemaligen Militärobersten (Stefan Suske) zu überzeugen, dass ihr Zukünftiger doch nicht gar so ein Nichtsnutz ist. Um ein bisschen repräsentativer rüberzukommen, hat Brindsley die Wohnung seines Nachbarn Harold (Sebastian Pass) geplündert und sich Möbel ausgeborgt. Es kündigt sich außerdem Brindleys Ex Clea (Birgit Stöger) an, die offenbar noch nichts davon weiß, dass sie eine Ex ist. Der Künstler ist, schon bevor es losgeht, davon überzeugt, dass der Abend eine "in Gold gefasste, 24-karätige Katastrophe" werden wird. Dabei weiß er noch nicht, dass ein Kurzschluss und folgender Lichtausfall diese pessimistische Prognose noch potenzieren wird.

Information

Komödie im Dunkeln
Volkstheater

Im Finstern fällt es Brindsley zunehmend schwer, gute Figur gegenüber dem ohnehin wenig wohlwollenden Schwiegervater in spe zu machen. Ist er doch - unter anderem - damit beschäftigt, die Möbel wieder unbemerkt im Schutze der Dunkelheit wegzuschaffen - denn Harold ist verfrüht zurückgekehrt.

Kampf mit der Stehlampe

Die Grundidee von "Komödie im Dunkeln" bietet die Möglichkeit, ein ganzes Feuerwerk an Komödien-Fixelementen abzufeuern: Von der Verwechslung über die unabsichtliche unsittliche Berührung über vertauschte alkoholische und antialkoholische Gläser bis zum anarchischen Stolper- und Taumelballett ist alles da. Die Bühne mit Alufolienwänden und beweglicher Maisonette-Stiegen-Konstruktion unterstützt diese Ansätze eigentlich. Die Modernisierung, die Brey der schon etwas aus der Zeit gefallen Farce (vor allem die Colliergriff-tuntige Figur des Harold macht das deutlich) angedeihen lässt, besteht aber nur aus einer übertriebenen, artifiziellen Komik, die derzeit Bühnentrend ist. Thomas Frank als Brindsley brilliert zwar im Kampf mit der Stehlampe, Steffi Krautz ist hinreißend als Alte-Jungfern-Nachbarin, die dem Gin zuspricht und Birgit Stöger geht voll auf in der Bösartigkeit der vergessenen Exfreundin. Trotzdem wird man wegen der Distanz, die die forcierte Komik erzeugt, mit dieser Aufführung nur so warm wie einem in einer mit Stanniolfolie ausgekleideten Wohnung eben wird.





Schlagwörter

Theaterkritik, Volkstheater

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-12 17:09:11
Letzte Änderung am 2018-04-12 17:19:44


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